{"id":5082,"date":"2017-10-14T19:51:19","date_gmt":"2017-10-14T19:51:19","guid":{"rendered":"http:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/?p=5082"},"modified":"2017-11-15T17:37:00","modified_gmt":"2017-11-15T17:37:00","slug":"zdf-feindpropaganda-fernsehen-macht-dumm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/zdf-feindpropaganda-fernsehen-macht-dumm\/","title":{"rendered":"ZDF-Feindpropaganda"},"content":{"rendered":"<p>Bilder der n\u00e4chtlichen Stra\u00dfenschlacht im Schanzenviertel w\u00e4hrend des G20-Gipfels, unterlegt mit theatralischen Weltuntergangskl\u00e4ngen, dazu eine dramaturgische Stimme aus dem Off: \u201e<em>Steinw\u00fcrfe von Vermummten, Angriffe auf Polizisten, brennende Barrikaden, Gesch\u00e4fte werden gepl\u00fcndert. Die radikale Linke sorgt f\u00fcr \u00c4ngste.\u201c<\/em> So beginnt die ZDF-Dokumentation \u203aRadikale von Links \u2013 die untersch\u00e4tzte Gefahr\u2039. Pl\u00f6tzlich und unvermittelt blitzt das Symbol der RAF auf. Von der gr\u00f6\u00dften Herausforderung nach dem Krieg f\u00fcr den deutschen Staat wird gesprochen; 33 ermordete Menschen sollen auf das Konto der RAF gehen. Nach deren Selbstaufl\u00f6sung im Jahre 1998 sei es dann ruhig geworden um die extreme Linke in Deutschland. Doch der Verfassungsschutz (VS) warnt \u2013 die Hemmschwelle sinke wieder und untermauert die Zahl steigender Gewalt von Links mit seinen eigenen Statistiken. Dieser Blickwinkel wird in der Dokumentation kontinuierlich beibehalten und auf einen eigenen journalistischen Standpunkt vollst\u00e4ndig verzichtet. Es gibt nicht einmal den Versuch, einen Anschein von Neutralit\u00e4t zu wahren.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Aussagen von Linken stets in Frage gestellt werden, nehmen Kommentare von Staatsschutz, Polizei und befragten \u203aExperten\u2039 breiten Raum ein. Diese verk\u00fcnden die \u203aWahrheit\u2039 und sind eins mit den Aussagen der Stimme aus dem Off.<\/p>\n<p><em>\u201eWas habt ihr denn erwartet?\u201c<\/em>, lautet der eine oder andere Kommentar nach der Ausstrahlung am 6. September. Zun\u00e4chst mal einen anderen Film. Rainer Fromm, bislang bekannt f\u00fcr Recherchefilme im rechten Spektrum, suchte Anfang des Jahres Interviewpartner zum Thema linke Szene und Antifa. Herauskommen sollte eine Dokumentation \u00fcber die radikale Linke und was sie heute bewegt. Entstanden ist jedoch ein demagogisches Machwerk. Die Interviews mit linken Aktivisten und Aktivistinnen dienen ausschlie\u00dflich der Bebilderung tendenzi\u00f6ser Thesen.<\/p>\n<p>Im ersten Beispiel hei\u00dft es: <em>\u201eAntifaschismus ist derzeit eines der Hauptthemen linker Extremisten.\u201c<\/em> Als Beleg, dass diese nicht vor Gewalt im geistigen Gefolge der RAF zur\u00fcckschrecken, dient eine Demonstrationen gegen die AfD im April 2017 in K\u00f6ln. W\u00e4hrend die Stadt sich angeblich im Ausnahmezustand befindet, wird ein Sprecher der Gruppe \u203aNationalismus ist keine Alternative\u2039 gefragt, ob ihm verletzte AfD-Mitglieder nicht leid t\u00e4ten. Nach kurzem Z\u00f6gern entgegnet er: <em>\u201eNein!\u201c<\/em> Diese Aussage ist geschickt vor das eigentliche Interview gesetzt in dem derselbe Sprecher anmerkt, dass die AfD gerade dabei sei v\u00f6lkischen Rassismus und Antisemitismus wieder salonf\u00e4hig zu machen. Schnitt, neue Perspektive: Polizei marschiert auf, dazu erschallt die Stimme aus dem Off: <em>\u201eDas Ergebnis linker Gewalt beim Anti-AfD-Protest: zwei verletzte Polizeibeamte eine Festnahme\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Ein solcher Ausgang reicht allerdings nicht aus, um das Bild von blutr\u00fcnstigen Linksradikalen drastisch genug zeigen zu k\u00f6nnen. Nun folgen ein paar Filmschnipsel vom Remmidemmi bei der Einweihung der EZB im Juni 2015 in Frankfurt. Derart eingestimmt, holt der Kommentator aus: <em>\u201eAnders als bei Neonazis wird die Entwicklung des politischen Linksau\u00dfen wissenschaftlich kaum aufgearbeitet. Zum Schwerpunkt Linksextremismus hat Karsten Dustin Hoffmann promoviert. Er war Mitglied eines Forscherteams, dass die Wahrnehmung des politischen Extremismus in der Publizistik analysierte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dieser wissenschaftliche Experte, der gleich zweimal im Film vorkommt, polemisiert dann vor allem gegen die Rote Flora in Hamburg. Dass Hoffmann Mitglied der Kreistagsfraktion der AfD in Rotenburg (W\u00fcmme) ist, bleibt dabei unerw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Dass aber die Linksradikalen \u00fcberall mitmischen und Proteste f\u00fcr ihre Zwecke missbrauchen, gilt uneingeschr\u00e4nkt, auch ohne Belege, z.B. im Kampf gegen die Atomkraft, gegen die Startbahn-West und in Bezug aufs Wettr\u00fcsten \u2013 K\u00e4mpfe, die l\u00e4ngst vorbei sind und heute keine Rolle mehr spielen. Verwunderlich ist es dann auch nicht mehr, dass Joschka Fischer eingeblendet wird. Ein ehemaliger Stra\u00dfenk\u00e4mpfer, der Au\u00dfenminister wurde. Trotzdem waren die radikalen Linken mit einer rot-gr\u00fcnen Regierung unzufrieden. Um das zu erkl\u00e4ren, kommt kein geringerer als der Extremismusforscher Udo Backes zu Wort \u2013 auch so ein \u203aneutraler\u2039 Experte vom rechten Rand.<\/p>\n<p>Aber wo sind die militanten Linken heute zu finden? Erste Adresse ist Kiel, der Sitz von \u203aFire and Flames\u2039. Zwei eingeblendete Aktivisten treten f\u00fcr eine andere, bessere Gesellschaft ein. Die Stimme aus dem Off erkennt jedoch: <em>\u201eDas Bessere \u2013 f\u00fcr sie \u2013 die Revolution gegen den Staat, in dem sie leben!\u201c<\/em> Eine zutreffende Konkretisierung, nur wird die Revolution im Film durchweg als sinnlose Gewalt dargestellt und nicht als Motor der Geschichte.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hat der Verfassungsschutz die st\u00e4ndig steigenden Zahlen der Autonomen (und der noch gef\u00e4hrlicheren Postautonomen) im Blick. Besonders bedrohlich scheint die Interventionistische Linke zu sein, die sich, laut Kommentator, als Avantgarde versteht. Ihr wird von einem \u203aVS-Experten\u2039 attestiert, dass sie durch das Ein\u00fcben von Sitzblockaden eine h\u00f6here Gewaltbereitschaft erreicht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Wieder schwenkt die Kamera zu eindeutigen Bilder der Gewalt. Jetzt steht Leipzig-Connewitz im Blickpunkt. Erneut das inzwischen bekannte Muster, die Linken-Landtagsabgeordnete Jule Nagel sagt keine falschen Sachen, jedoch gehen ihre Aussagen in einem Gerangel zwischen Antifas und Polizei unter. Dazu die Stimme aus dem Off: <em>\u201eDie Abgeordnete Nagel sieht die Gewalt bei den Polizisten. Die Polizei als Buhmann, eine verbreitete Weltsicht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nun mutiert der Dokumentarfilm endg\u00fcltig zu einem Propagandastreifen. Im Schweinsgalopp geht es durch die Geschichte; von der Franz\u00f6sischen Revolution \u00fcber die Russische zur Kulturrevolution Mao-Tse-Tungs. Wir werden belehrt: Die Linken, besonders die radikalen Linken haben der Welt nur millionenfachen Tod und Verderben gebracht. Dass Autonome in Abgrenzung zu autorit\u00e4r-kommunistischen Str\u00f6mungen\/Regimen bzw. den K-Gruppen \u00fcberhaupt erst in den Siebziger Jahren entstanden sind, spielt f\u00fcr die Experten in dieser Dokumentation keine Rolle. Die heutige Antifa ist einfach in der historischen Abfolge von Stalin, Mao und Pol Pot, zu sehen. So ist es denn auch nicht mehr weit zu <em>\u201eKonzepten des Guerilla-Kampfes\u201c<\/em>, die angeblich bei den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg zum Tragen gekommen sind.<\/p>\n<p>Das Geld f\u00fcr eine faktisch nicht existente Guerilla, die hier am Werk war, wird in linken Zentren, den <em>\u201ebundesweiten Sammelfeldern f\u00fcr Radikale\u201c<\/em> beschafft. Auf einer Landkarte der BRD werden die linken Szene-Treffs \u00f6ffentlich an den Pranger gestellt: Die Rote Flora in Hamburg, die Rigaer Stra\u00dfe 94 in Berlin, das JuzI in G\u00f6ttingen, Conne Island in Leipzig, Autonomes Zentrum KTS in Freiburg, das Kafe Marat in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich f\u00fchrt die Dokumentation nach Berlin, wo sich das gr\u00f6\u00dfte Zentrum der linken Szene befinden soll. Einige Aufnahmen vom 1. Mai 2017 werden gezeigt und die Deeskalationspolitik kritisiert. <em>\u201eJahr f\u00fcr Jahr Randale. Und Jahr f\u00fcr Jahr zu wenig Aufmerksamkeit f\u00fcr linke Gewalt durch die Politik, klagt die Polizei vor Ort.\u201c<\/em> Ein GdP-Sprecher erz\u00e4hlt,<em> \u201edass wir verschiedene Stra\u00dfen in der Stadt haben, wo Funkwagenbesatzungen, wo auch unsere Einsatzhundertschaften nicht mehr aussteigen.\u201c<\/em> Diese Realit\u00e4tsverzerrung impliziert den Ruf nach mehr Polizei und h\u00e4rterem Durchgreifen, weshalb nun auch noch der Koalitionsvertrag von rot\/rot\/gr\u00fcn in den Propagandabrei einger\u00fchrt wird. Der Vertrag geht auf zwei Seiten auf den Rechtsextremismus und den islamistischen Terror ein, aber kein Wort \u00fcber ist \u00fcber den b\u00f6sen und gef\u00e4hrlichen Linksextremismus darin zu finden sind. Das ist beklagenswert f\u00fcr NPD, AfD und die rechten Vertreter anderer Parteien, die dann reichlich zu Wort kommen.<\/p>\n<p>Gewisserma\u00dfen als H\u00f6hepunkt werden als Kronzeugen gegen linksradikale, autonome Gewalt Dieter Dehm und Sarah Wagenknecht ins Feld gef\u00fchrt, die offensichtlich zu allem etwas zu sagen haben. Obendrein pr\u00e4sentiert uns die Doku ein Modelabel, das Baby-Strampler mit RAF-Logo feilbietet. Sp\u00e4testens hier m\u00fcsste klar sein, dass dieses Emblem zur Pop-Ikone geworden ist und nur noch als Marketing-Gag funktioniert. Aber nein, selbst aus Modeschnickschnack wird versucht, eine Bedrohung zu konstruieren.<\/p>\n<p>Als Satiresendung k\u00f6nnte die Doku sicher Preise abr\u00e4umen, aber es handelt sich leider um einen rechtslastigen Staatsschutzstreifen \u2013 ZDF-Feindpropaganda.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5083\" src=\"http:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen.jpg\" alt=\"\" width=\"900\" height=\"617\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen.jpg 900w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen-300x206.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen-768x527.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen-705x483.jpg 705w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/fernsehen-450x309.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n<p><em>Der Text erschien in gek\u00fcrzter Fassung mit der \u00dcberschrift \u201ePolizei marschiert auf \u2013 Alle Gewalt geht vom Fernsehen aus: Wie das ZDF linken Protest bek\u00e4mpft .\u201c in der Wochenendausgabe, 16.\/17. September 2017, in der Jungen Welt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bilder der n\u00e4chtlichen Stra\u00dfenschlacht im Schanzenviertel w\u00e4hrend des G20-Gipfels, unterlegt mit theatralischen Weltuntergangskl\u00e4ngen, dazu eine dramaturgische Stimme aus dem Off: \u201eSteinw\u00fcrfe von Vermummten, Angriffe auf Polizisten, brennende Barrikaden, Gesch\u00e4fte werden gepl\u00fcndert. Die radikale Linke sorgt f\u00fcr \u00c4ngste.\u201c So beginnt die ZDF-Dokumentation \u203aRadikale von Links \u2013 die untersch\u00e4tzte Gefahr\u2039. 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