{"id":5159,"date":"2017-10-11T20:48:01","date_gmt":"2017-10-11T20:48:01","guid":{"rendered":"http:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/?p=5159"},"modified":"2017-12-01T17:56:01","modified_gmt":"2017-12-01T17:56:01","slug":"des-geyers-schwarzer-haufen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/des-geyers-schwarzer-haufen\/","title":{"rendered":"Des Geyers Schwarzer Haufen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bauernkrieg in Franken<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e &#8230; <\/em><em>Wir hoffen fest auf die Gnade Gottes, und so haben wir das Kloster Bildhausen eingenommen und unser Lager hier aufgeschlagen. &#8230; Wir wollen ungerechte und ungeb\u00fchrliche Beschwernisse abschaffen. &#8230; Wir wollen, dass die Obrigkeit und die Herrschaften mit uns geb\u00fchrlich und gem\u00e4\u00df der evangelischen Lehre handeln. &#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>S\u00e4tze aus einem Flugblatt im April 1525, als der Aufstand das Land ergriff.<\/p>\n<p>Die Kunde zog immer mehr Unzufriedene an, bald war ihre Zahl auf einige Tausend angewachsen. Sie wussten, dass ihre politische Wirksamkeit von ihrer milit\u00e4rischen St\u00e4rke abhing. Proviant, Zelte und Waffen wurden herbeigeschafft, Leutnante, Feldwebel usw. ernannt. Zu ihren Hauptleuten w\u00e4hlten sie den Schreiner Hans Schnabel und den Bauern Hans Schaar.<\/p>\n<p>Doch wichtige Fragen entschieden sie weiterhin gemeinsam im Ring, in dem die \u201eGemeine Versammlung zu Bildhausen\u201c am den 6. Mai 1525 ihr Programm beschloss. Da hei\u00dft es u.a.: <em>\u201e<\/em><em>Wenn Juden in die Versammlung des Haufens begehren, so ist es des ganzen Lagers ernste Meinung, sind diese ohne Vorbehalte und aus freien St\u00fccken aufzunehmen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Bildh\u00e4user Haufen war eine Macht in Mittel- und Unterfranken bis nach Meinigen. Die Stadt stand im B\u00fcndnis mit den Aufst\u00e4ndischen. Bauernheere hatten sich aber allerorts gebildet. Eine gro\u00dfe Rolle spielte der aus 12.000 Mann bestehende Helle Lichte Haufen, dessen F\u00fchrung am 27. April der zwielichtige G\u00f6tz von Berlichingen \u00fcbernommen hatte. Innerlich verband diesen Raubritter und S\u00f6ldner nichts mit dem Aufstand, er hatte sich einfach gegen Bezahlung zur Verf\u00fcgung gestellt. Aus ganz anderem Holz war der fr\u00e4nkische Adlige Florian Geyer geschnitzt. Ein Idealist, der aus freien St\u00fccken den Schwarzen Haufen aufstellte. Rund 800 K\u00e4mpfer in schwarzer Kleidung, eine art Elitetruppe des Aufstandes. Mit ihnen war Geyer zun\u00e4chst dem Hellen Lichten Haufen beigetreten. Wenig sp\u00e4ter wechselte der Schwarze Haufen zum Fr\u00e4nkischen Heer, einer anderen Koalition der Rebellion.<\/p>\n<p>Der Sieg in Franken war nahe! Vertreter von Klerus und hochrangigem Adel hatten sich auf die Festung Marienberg bei W\u00fcrzburg gefl\u00fcchtet, w\u00e4hrend die Stadt auf die Seite des Aufstands getreten war.<\/p>\n<p>Eine aus den fr\u00e4nkischen Bauernhaufen bunt zusammengew\u00fcrfelte Streitmacht begann am 14. Mai 1525 eine erfolglose Beschie\u00dfung der Festung. Ungeachtet dessen erfolgte am folgenden Tag ein Sturmangriff, der unter hohen Verlusten scheiterte.<\/p>\n<p>In diesen Tagen ging die Kunde von der Vernichtung gro\u00dfer Bauernheere im w\u00fcrttembergischen B\u00f6blingen (12. Mai), im th\u00fcringischen Frankenhausen (15. Mai) und im els\u00e4ssischen Zabern (17. Mai) durchs Land.<\/p>\n<p>Waren die Bauernheere zun\u00e4chst auf \u00fcberraschte und lediglich regional orientierte F\u00fcrsten getroffen, \u00e4nderte sich nun die Situation. Starke f\u00fcrstliche Armeen erschienen auf den Kriegsschaupl\u00e4tzen und errangen einen Sieg nach dem anderen. Auch hatte sich Luther in seiner Schrift <em>\u201e<\/em><em>Wider die Mordischen und Reubischen Rotten der Bawren<\/em><em>\u201c<\/em> gegen den Aufstand gestellt. Daraufhin begannen sich Bauern Haufen aufzul\u00f6sen. Zu denen, die beieinander blieben und sich im Gegenteil noch radikalisierten, z\u00e4hlte der Bildh\u00e4user Haufen. Erbittert \u00fcber die Nachrichten von den Massakern f\u00fcrstlicher Truppen und die Hinrichtung des revolution\u00e4ren Predigers Thomas M\u00fcntzer, blieben sie unter Waffen.<\/p>\n<p>Da erreichte den Haufen am 2. Juni 1525 ein Hilferuf aus Meiningen. F\u00fcrstliche Truppen n\u00e4herten sich der Stadt. Mit 7.000 K\u00e4mpfern machte sich das Bauernheer auf. Bereits am n\u00e4chsten Tag wurde eine Vorhut bei Drei\u00dfigacker, westlich der Stadt, von Einheiten des Grafen von Henneberg angegriffen. 40 Aufst\u00e4ndische wurden get\u00f6tet, und die S\u00f6ldner erbeuteten etliche Transport- und Weinwagen. Berauscht vom erbeuteten Wein, glaubten die f\u00fcrstlichen Schergen an einen leichten Sieg.<\/p>\n<p>Als anderen Tags die Hauptmacht des Bildh\u00e4user Haufens eintraf und auf einer Bergh\u00f6he bei Meiningen begann, eine Wagenburg zu formieren, wollten sich die f\u00fcrstlichen Heerf\u00fchrer die Gunst des Augenblicks nicht entgehen lassen.<\/p>\n<p>Schweren Gesch\u00fctze er\u00f6ffneten das Feuer. Krachend zerbarsten Wagen. Dreck, Holzsplitter und zerfetzte Leiber wirbelten durch die Luft. Die Schreie Verwundeter, das Wimmern von Sterbenden \u2013 aber auch Kommandorufe, es entstand keine Panik, die Aufst\u00e4ndischen suchten Deckung und erwarteten den Angriff.<\/p>\n<p>Bislang hatten meist Gesch\u00fctze gereicht, um die Bauernhaufen in Angst und Schrecken zu versetzen. Aber das w\u00fcrde nun die Angriffswelle erledigen. Die Hauptleute gaben mit der erhobenen Rechten das Angriffszeichen. Wiehernd trabten die Streitr\u00f6sser an, ihre Reiter f\u00fchlten sich \u00fcberlegen und gaben ihren Tieren die Sporen. Donnernde Hufe, im Sonnenlicht blinkende R\u00fcstungen, gef\u00e4llte Lanzen. Im vollen Galopp, mit wildem Kriegsgeschrei tobte das Reitergeschwader heran. Gnade kannten sie keine, niemand sollte ihnen entkommen.<\/p>\n<p>Eine Woge aus Hass, Verachtung und Brutalit\u00e4t raste den Ha\u00dffurtgrund hinauf auf die H\u00f6he zu, dort wo die Aufst\u00e4ndischen ihre Wagenburg noch nicht im Kreis formieren konnten \u2013 aber ihre 17 leichten Gesch\u00fctze standen in Position.<\/p>\n<p>Im Bewusstsein ihres Sieges hielten die Reisige auf die Wagen zu. Da krachten mit einem Schlag die Gesch\u00fctze des Bauernheeres und ein m\u00e4chtiger Blitzschlag aus hei\u00dfen, gezackten Metallst\u00fccken zerfetzte Mensch und Tier. Verletzte Pferde b\u00e4umten sich wiehernd auf oder w\u00e4lzten sich am Boden neben ihren zerschlagenen Reitern. Wie mit einem m\u00e4chtigen Hammerschlag war der Angriff des Reitergeschwaders zerschmettert. Im Jubel der Aufst\u00e4ndischen wurden die Gesch\u00fctze bereits wieder geladen, w\u00e4hrend die schweren f\u00fcrstlichen Kanonen ihre Gegner unter Feuer nahmen. Ein neuer Reiterangriff brandete an. Es begann ein blutiges Gemetzel mit Spie\u00dfen, Schwertern, Streit\u00e4xten und \u2013h\u00e4mmern. Doch immer wieder konnten sich die Aufst\u00e4ndischen mit ihrer Geschlossenheit und ihren Gesch\u00fctzen Luft verschaffen \u2013 und sogar den obersten B\u00fcchsenmeister der f\u00fcrstlichen Armee t\u00f6ten. Es gelang den Reisigen nicht, die Wagenburg zu \u00fcberrennen, stattdessen hatten sie hohe Verluste. Aber auch 200 Bauern waren gefallen, mehr als dreimal so viele verwundet. Am Abend zogen sie sich in die Stadt Meinigen zur\u00fcck. Hans Schnabel wollte in der n\u00e4chsten Nacht versuchen, mit seinen K\u00e4mpfern die Stadt zu verlassen. Im Ring aber entschied man anders. Eine ausweglose Situation. Von einer gro\u00dfen \u00dcbermacht umzingelt, kapitulierte Meinigen zwei Tage sp\u00e4ter. Es folgte das Blutgericht der F\u00fcrsten. Zu den vielen, die hingerichtet wurden, z\u00e4hlten auch die Bauernf\u00fchrer Hans Schnabel und Hans Schar. Sie wurden gek\u00f6pft und ihre Sch\u00e4del auf Spie\u00dfe gesteckt.<\/p>\n<p>Um den Aufstand niederzuschlagen, konzentrierten die F\u00fcrsten ihre Kr\u00e4fte auf Franken. Deshalb mussten die Bauern Einheiten von der Belagerung W\u00fcrzburgs abziehen. G\u00f6tz von Berlichingen machte sich bei dieser Gelegenheit aus dem Staube.<\/p>\n<p>Auf dem Turmberg bei K\u00f6nigshofen kam es am 2. Juni zur Schlacht. Die Bauern waren in jeder Hinsicht unterlegen, der Kampf endete in einem Massaker, 7.000 Erschlagene bedeckten die Felder. Nun marschierte das F\u00fcrstenheer auf W\u00fcrzburg und die Aufst\u00e4ndischen waren Gezwungen die Belagerung aufzugeben um sich gegen die heranr\u00fcckenden Truppen zu wenden. Doch Unsicherheit griff um sich, viele warfen ihre Waffen weg und verschwanden. Knapp 4.000 Entschlossene blieben \u00fcbrig und stellten sich am 4. Juni auf den kahlen Feldern bei den D\u00f6rfern Giebelstadt und Ingolstadt dem Heer der F\u00fcrsten. Das begab sich zwischen den Schl\u00f6ssern von Florian Geyer, der wegen Verhandlungen in Rothenburg weilte und nicht miterlebte, wie der letzte fr\u00e4nkische Bauernhaufen bis auf den letzten Mann aufgerieben wurde. Seine beiden Schl\u00f6sser wurden dabei in Tr\u00fcmmer geschossen. Aber selbst in den brennenden Ruinen setzten sich die Aufst\u00e4ndischen noch zur Wehr und warfen Mauerreste auf die Angreifer. Von den 600 des Schwarzen Haufens \u00fcberlebten nur 200 Verwundete. Florian Geyer selbst wurde am 10. Juni im Gramschatzer Wald bei W\u00fcrzburg in einem Hinterhalt ermordet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bauernkrieg in Franken \u201e &#8230; Wir hoffen fest auf die Gnade Gottes, und so haben wir das Kloster Bildhausen eingenommen und unser Lager hier aufgeschlagen. &#8230; Wir wollen ungerechte und ungeb\u00fchrliche Beschwernisse abschaffen. &#8230; Wir wollen, dass die Obrigkeit und die Herrschaften mit uns geb\u00fchrlich und gem\u00e4\u00df der evangelischen Lehre handeln. &#8230;\u201c S\u00e4tze aus einem [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5162,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,14],"tags":[140,87,141],"class_list":["post-5159","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-hauptartikel","tag-500-jahre-reformation","tag-bauernkrieg","tag-florian-geyer"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5159"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5167,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5159\/revisions\/5167"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}