{"id":6129,"date":"2020-10-20T23:10:56","date_gmt":"2020-10-20T23:10:56","guid":{"rendered":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/?p=6129"},"modified":"2020-10-24T20:27:06","modified_gmt":"2020-10-24T20:27:06","slug":"generalstreik-fuer-die-sozialistische-republik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/generalstreik-fuer-die-sozialistische-republik\/","title":{"rendered":"Generalstreik f\u00fcr die sozialistische Republik"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>100 Jahre Abwehr des Kapp-Putsches am Beispiel Bad Lauterberg<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Autor: Bernd Langer|erschienen in <em>Unser Harz <\/em>Nr.9\/2020|in gek\u00fcrzter Fassung am 19. April im <em>Harzkurier<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im gesamten Reichsgebiet hat sich die Spaltung der sozialdemokratischen Bewegung nach der Novemberrevolution 1918 vertieft. Auf der einen Seite existiert die gem\u00e4\u00dfigte, eher dem b\u00fcrgerlichen Lager zuzuordnende SPD, w\u00e4hrend die Vertreter_innen der U(nabh\u00e4ngigen)SPD, die beim Umsturz eine entscheidende Rolle gespielt haben, sich mehr und mehr an den Rand gedr\u00e4ngt und um die proletarische Revolution betrogen f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die politischen Entwicklungen in den gro\u00dfen St\u00e4dten bilden sich analog in der Provinz ab. Ein Beispiel gibt Bad Lauterberg, wo ab April 1919 eine USPD-Ortsgruppe in Erscheinung tritt, deren Anh\u00e4ngerschaft gr\u00f6\u00dfer ist als die der SPD. Zwar findet am 1. Mai 1919 noch eine gemeinsame Maifeier mit der SPD statt, doch dann trennen sich die Wege.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftlich bleibt die Lage angespannt. In einigen Betrieben ist Kurzarbeit angeordnet, die Lebensmittelversorgung ist auf einen niedrigen Stand rationiert. Als Folge entsteht ein grassierender Schleichhandel. Besonders hart sind die lohnabh\u00e4ngigen Schichten von der Misere betroffen, die keine Wucherpreise zahlen k\u00f6nnen. Schuld an den steigenden Lebensmittelpreisen tragen nach Ansicht vieler Arbeiter_innen Kurg\u00e4ste und andere \u201eNichtstuer\u201c. Es kommt vor, dass Kurg\u00e4sten auf dem Weg zum Bahnhof die Koffer ge\u00f6ffnet und diese \u201erevidiert\u201c, also durchsucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ideologisch wird der proletarische Unmut durch eine Reihe von Veranstaltungen mit prominenter Beteiligung untermauert. So spricht Ende Mai 1919 Hans Plettner, USPD-Sekret\u00e4r aus Hannover, in Bad Lauterberg und fordert zur Vereinigung von SPD und USPD auf sozialistischer Grundlage auf. Wenig sp\u00e4ter tritt der Schriftsteller Karl Meier aus Berlin f\u00fcr die USPD auf und gibt die Schuld an Streiks und Unruhen im Land der SPD, weil diese das Hauptproblem, die immer noch offene Sozialisierungsfrage, nicht angehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 11. August eskaliert die Situation, als eine Kundgebung gegen den Schleichhandel aus dem Ruder l\u00e4uft. Nach einigen Ansprachen vor dem Rathaus, die sich gegen Kaufleute und Kurg\u00e4ste richten, bricht die hungernde Menge zu einer Spontandemonstration durch die Hauptstra\u00dfe auf. Verd\u00e4chtige L\u00e4den werden gest\u00fcrmt und nach gehorteter Ware durchsucht. Auch bei etlichen Kaufleuten, Schlachtern usw. wird illegale Ware entdeckt. Insbesondere im Kaufmannsladen der Frau Meyer in der unteren Hauptstra\u00dfe und bei einem Schwarzh\u00e4ndler Teizel in der Schulstra\u00dfe wird man f\u00fcndig. <em>\u201eDie beiden hatte man vor einen Einsp\u00e4nner gespannt, und sie mussten die Fuhre mit beschlagnahmten Lebensmitteln zum Rathaus bringen.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Die sichergestellten Lebensmittel werden am n\u00e4chsten Tag zu festgesetzten Preisen verkauft.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Da sich ein Gro\u00dfteil der Arbeiter_innen nach links entwickelt hat, wird bei der Monatsversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins am 16. August der Antrag gestellt, geschlossen zur USPD \u00fcberzutreten.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Obwohl ein gro\u00dfer Teil der Mitglieder den \u00dcbertritt vollzieht, bleibt die SPD am Orte bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei ihrer n\u00e4chsten Vollversammlung hat die USPD wieder Plettner aus Hannover zu Gast. Der beendet die Zusammenkunft mit dem Aufruf, das R\u00e4tesystem zu verwirklichen.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wenig sp\u00e4ter agitiert das USPD-Mitglied Jean Uebel<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> als Vorsitzender des Ortsverbandes des Zentralverbandes der proletarischen Freidenker gegen die Kirche, mit dem Erfolg, dass bis Dezember 56 Personen aus der Gemeinde austreten.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Revolutionsfeiern am 9. November werden getrennt begangen. W\u00e4hrend die SPD nach einer Rede von Senator Steckhahn einen Ball im Kursaal er\u00f6ffnet, ruft die USPD <em>\u201ealle Genossen, die auf dem Boden des Sozialismus stehen\u201c<\/em> auf, in den kleinen Saal des Hotel Kurhaus zu kommen. Senator Steckhahn kritisiert in seiner Festrede die radikalen <em>\u201ekrassen und undurchf\u00fchrbaren Forderungen\u201c<\/em> der Unabh\u00e4ngigen und meint, <em>\u201eman k\u00f6nne nicht einfach alles umwerfen.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz dazu er\u00f6ffnet der Ortsvorsitzende der USPD, Hermann Stopperich,<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> die Veranstaltung mit einer Anspielung auf die SPD. Momentan ginge es nicht um <em>\u201eVergn\u00fcgungen und Tanzlustbarkeiten\u201c<\/em>, sondern es gelte vielmehr, der in Schutzhaft sitzenden Genossen zu gedenken und deren sofortige Freilassung zu fordern. Ferner m\u00fcsse auf die Abschaffung der Todesstrafe hingewirkt werden. Dann singt der Arbeitergesangverein Frohsinn und es folgt der Festredner Jean Uebel. Dieser meint, dass der Arbeiter nun zu der Erkenntnis komme, dass er <em>\u201eum die Fr\u00fcchte der Revolution betrogen worden sei\u201c<\/em>, denn es herrsche die Diktatur des B\u00fcrgertums. Auch der Militarismus tauche wieder auf. Er f\u00fcgt einige Beispiele an, bei denen die Reichswehr gegen streikende Arbeiter eingesetzt worden ist und f\u00fchrt aus, wie die Regierung mit Belagerungszustand und Schutzhaft herrscht. Auch seien verschiedentlich Einwohnerwehren gegen Arbeiter eingesetzt worden. Daher m\u00fcssten die Blicke den <em>\u201eBr\u00fcdern und Schwestern in Ru\u00dfland zugewandt\u201c<\/em> sein, <em>\u201emit ihnen m\u00fcssen wir uns vereinen, damit das rote Banner der R\u00e4terepublik errichtet werde!\u201c<\/em> Am Ende wird eine Resolution <em>\u201eFreiheit denen, die f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfen!\u201c<\/em> <a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> einstimmig angenommen und nach Berlin zur Reichsregierung geschickt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einer schwach besuchten Vollversammlung der USPD am 16. Dezember unter dem Motto <em>\u201eGegenrevolution\u201c<\/em> verk\u00fcndet Jean Uebel, dass die unabh\u00e4ngige Partei <em>\u201enicht auf dem Wege der Demokratie, sondern durch die Diktatur des Proletariats den Sozialismus verwirklichen wolle.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Arbeiterschaft und B\u00fcrgertum stehen sich in zwei Lagern gegen\u00fcber. Die aus der Kaiserzeit herr\u00fchrende Privilegierung der b\u00fcrgerlichen Klasse ist zwar politisch formal durch das gleiche, allgemeine Wahlrecht und andere rechtliche Gleichstellungen aufgehoben, aber man lebt immer noch in den alten Klischees und Bildern und bleibt vor allem sozial getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen entscheidenden H\u00f6hepunkt erf\u00e4hrt dieser soziale Konflikt im Zuge der Abwehrma\u00dfnahmen gegen den Kapp-Putsch. Die \u00fcberraschende Nachricht vom Putsch in Berlin erreicht eine \u00f6ffentliche Versammlung der USPD im Kursaal. Die Partei hat dort am Samstag, dem 13. M\u00e4rz 1920, als prominenten Referenten Karl Aderhold, Mitglied der Nationalversammlung, aus Hannover zu Gast. Nach den Meldungen vom Einmarsch der Marinebrigade Ehrhardt in die Reichshauptstadt wird die Veranstaltung unterbrochen. General Walther von L\u00fcttwitz und Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp sollen die Macht an sich gerissen haben. Die Regierung Ebert\/Bauer ist nach Dresden entkommen, von wo sie kurze Zeit sp\u00e4ter in das f\u00fcr sie sicherere Stuttgart weiterflieht.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend <em>\u201eReichswehr nicht auf Reichswehr schie\u00dft\u201c<\/em>, wie es General von Seeckt von der Reichswehrleitung formuliert, antwortet die Arbeiterschaft in ganz Deutschland auf diesen ersten rechtsradikalen Putsch mit einem Generalstreik, dem sich auch Beamtenschaft und selbst Gesch\u00e4ftsleute anschlie\u00dfen. An diesem Widerstand und der Unf\u00e4higkeit der Putschisten scheitert der Umsturz bereits am 17. M\u00e4rz. Doch das Land ist in Unruhe, Arbeiterwehren die vielerorts entstehen, wollen ihre Waffen nicht mehr ohne gr\u00f6\u00dfere politische Zugest\u00e4ndnisse abgeben, manche glauben gar, die Stunde der Revolution sei gekommen. In der Region um Halle, im Ruhrgebiet und an anderen Orten f\u00fchrt das zum B\u00fcrgerkrieg. Die Auswirkungen dieser Bewegung spielen sich auch in der Provinz ab.<\/p>\n\n\n\n<p>In Bad Lauterberg ruft die USPD f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag, Sonntag, den 14. M\u00e4rz, zu einer Versammlung an der Quelle, einem Pavillon im Stadtzentrum, auf. Dort kommt gegen 11.30 Uhr eine gro\u00dfe Menschmenge zusammen. Verschiedene Redner fordern, sich dem Generalstreik anzuschlie\u00dfen. Am Ende wird ein dreifaches Hoch auf die Republik ausgebracht.<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die Streikparole seit dem 13. M\u00e4rz im Umlauf ist, setzt der Streik in Bad Lauterberg erst am Montag, dem 15. M\u00e4rz, mit voller Wucht ein. An diesem Tag bestimmen USPD, SPD und Gewerkschaften im Sch\u00fctzenhaus einen Vollzugsrat, der ausschlie\u00dflich aus Mitgliedern von USPD und SPD besteht. Als Leitungsgremium wird ein engerer Vollzugsrat gew\u00e4hlt, der aus f\u00fcnf USPD- und einem SPD-Mitglied besteht. Da nun die Arbeiterschaft f\u00fcr Ruhe und Ordnung sorgen will, wird eine Volkswehr gegr\u00fcndet sowie eine \u00dcberwachungskommission f\u00fcr den Magistrat und eine Kommission zur Regelung des Ern\u00e4hrungswesens eingesetzt.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> Bad Lauterberg ist damit in der Hand der sozialistischen Arbeiterparteien.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels eines Flugblatts ver\u00f6ffentlicht der Vollzugsrat seine Anordnungen. S\u00e4mtliche Fabriken und Kaufh\u00e4user m\u00fcssen ihren Betrieb einstellen. Au\u00dferdem werden alle Genossen, die das 20. Lebensjahr erreicht haben, aufgefordert, <em>\u201ezur Bek\u00e4mpfung der reaktion\u00e4ren Regierung\u201c<\/em> in die Volkswehr einzutreten. Um die Bewaffnung zu gew\u00e4hrleisten, sollen s\u00e4mtliche Hand- und Schusswaffen an die Volkswehrkommission abgegeben werden, was als <em>\u201eSchutzma\u00dfnahme f\u00fcr Lauterberg gegen etwaige \u00dcberf\u00e4lle von Seiten reaktion\u00e4rer Truppen\u201c<\/em><a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a> gedacht ist. Allerdings wird die Forderung, die Waffen abzuliefern, von Teilen des B\u00fcrgertums ignoriert. Die <em>Volkswehr<\/em> richtet ihr Hauptquartier im Sch\u00fctzenhaus ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Magistrat ist von den Ereignissen \u00fcberrumpelt und erkl\u00e4rt sich zun\u00e4chst mit den Ma\u00dfnahmen des Vollzugsrates einverstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Neuigkeiten sofort bekannt zu machen, rattert der linke Aktivist Albert Knochel mit einem Auto durch den Ort, tr\u00f6tet mit dem Signalhorn und verk\u00fcndet: <em>\u201eKollegen und Kolleginnen! Wir haben die Macht an uns gerissen, entweder wir streiken oder wir legen die Arbeit nieder!\u201c<\/em> \u2013 Kurz darauf kommt der Gegenbimmler, Fleckendiener M\u00fcller, der im Namen des B\u00fcrgermeisters proklamiert:<em> \u201e[\u2026] noch haben wir die Macht [\u2026]!\u201c<\/em><a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a> Als Antwort detoniert eine Handgranate vor der T\u00fcr des Wissmannhauses,<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> in dem der alte B\u00fcrgermeister von Ernsthausen wohnt. In Panik sucht von Ernsthausen das Weite. Noch lange Zeit erinnern Handgranatensplitter im T\u00fcrrahmen an diese Episode.<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1827\" height=\"1147\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6132\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel.jpg 1827w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-300x188.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-768x482.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-1536x964.jpg 1536w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-1500x942.jpg 1500w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-705x443.jpg 705w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/Albert_Knochel-450x283.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1827px) 100vw, 1827px\" \/><figcaption><strong>Der linke Aktivist Albert Knochel, der mit den Worten: <em>\u201e[\u2026] entweder wir streiken oder wir legen die Arbeit nieder!\u201c<\/em>, den Generalstreik in Bad Lauterberg bekannt gibt. Die Aufnahme zeigt Knochel ein Jahr zuvor, in alter Uniform ohne Kokarden und Abzeichen, auf der Mai-Demo 1919 in Bad Lauterberg.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Unter dem Motto <em>\u201eDer Kampf gegen die Reaktion\u201c<\/em> ruft die USPD am 15. M\u00e4rz um 20 Uhr zu einer Volksversammlung im Kursaal auf<em>.<\/em><a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a><em> <\/em>Der Saal ist \u00fcbervoll und der Vorsitzende der USPD, Stopperich, <em>\u201eergriff als Referent das Wort. Er zeichnete das Bild \u00fcber die augenblickliche politische Lage, \u00fcber die K\u00e4mpfe f\u00fcr und gegen die Reaktion, die sich in den Gro\u00dfst\u00e4dten abspielten. [\u2026] Heute g\u00e4lte es f\u00fcr jeden Arbeiter und Beamten, diese Reaktion zu bek\u00e4mpfen. Das einzige, aber t\u00f6dlich wirksame Mittel in der Hand des Arbeiters sei der Generalstreik, in den seit heute auch alle Betriebe \u2013 mit Ausnahme derjenigen, die f\u00fcr Erhaltung des Lebens unbedingt erforderlich \u2013 eingetreten sind. Dieser Generalstreik \u2013 ein politischer Streik, der nicht bezahlt wird \u2013 m\u00fcsse die Reaktion niederzwingen, denn keine Regierung sei lebensf\u00e4hig, der die Arbeiter ihren Dienst verweigerten. Alle sollten eingedenk des gro\u00dfen Zieles gern die kleinen Opfer, die ihnen dieser Generalstreik auferlegte, bringen.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Verschiedene Redner bringen eine entschlossene und radikale Stimmung zum Ausdruck. <em>\u201eHerr Hanisch betonte, dass es die Pflicht eines jeden sei, in diesem Augenblick einm\u00fctig in den Reihen der K\u00e4mpfer gegen die Reaktion zu stehen, es g\u00e4lte einen Kampf um Sein und Nichtsein. Die gemeinsame Not der Stunde w\u00fcrde alle Arbeiter zusammenschwei\u00dfen zu einem Kampfblock, dem alle Widersacher weichen m\u00fcssten.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Solche Worte zeigen Wirkung, auch die anwesenden SPD-Mitglieder lassen sich mitrei\u00dfen: <em>\u201eHerr Fischer verlas dann folgende heute Nachmittag im Sch\u00fctzenhaus gefasste Entschlie\u00dfung: S\u00e4mtliche anwesenden Vertreter der Gewerkschaften sowie der Vorst\u00e4nde beider sozialistischen Parteien erkl\u00e4ren einstimmig, den Generalstreik solange durchzuhalten, bis die Reaktion beseitigt und an deren Stelle eine rein sozialistische Regierung eingesetzt ist.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings f\u00fchrt das Auftreten des Vollzugsrats zu Konflikten mit dem B\u00fcrgertum. Der Magistrat gedenkt nicht, seine Befugnisse an die sozialistische Arbeiterschaft abzutreten, und der B\u00fcrgermeister spricht dem Vollzugsrat die Legitimation ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Dessen ungeachtet patrouillieren Angeh\u00f6rige der Volkswehr durch die Stadt und achten auf die Durchf\u00fchrung der Kampfma\u00dfnahmen. So fordern sie den Lehrer Bartels kategorisch auf, die Schule zu schlie\u00dfen. Nur widerwillig und unter Protest l\u00e4sst sich der Lehrer in den Streik zwingen. Desweiteren werden nachts Patrouillen auf den Weg geschickt, um den Schleichhandel zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sozialistische Arbeiterschaft misstraut dem B\u00fcrgertum und verd\u00e4chtigt es pauschal, mit den Putschisten sympathisieren. Dagegen sehen viele B\u00fcrger_innen sich und ihr Eigentum von den Proletarier_innen bedroht. In der Nacht zum 17. M\u00e4rz eskaliert die Situation, als in der Aue, einem vornehmlich proletarischen Stadtgebiet, auf den USPD-Mann Hanisch geschossen wird. Umgehend zieht die Volkswehr bei s\u00e4mtlichen B\u00fcrgern die Waffen ein, wozu Abteilungen der Volkswehr Hausdurchsuchungen vornehmen. Als sich B\u00fcrger gegen die Willk\u00fcrma\u00dfnahmen wehren, f\u00fchrt das zu T\u00e4tlichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile gibt der Vollzugsrat bekannt, dass in S\u00fcddeutschland und Westfalen die R\u00e4terepublik ausgerufen worden sei. In Braunschweig und Heiligenstadt sollen heftige K\u00e4mpfe stattfinden, in Hamburg, Gotha und anderen St\u00e4dten die Arbeiter die Macht vollst\u00e4ndig \u00fcbernommen haben. Abgesehen von Gotha entsprechen die Meldungen zwar nicht den Tatsachen, geben den linken Aktivisten aber R\u00fcckenwind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimmung zwischen den politischen Lagern in Bad Lauterberg wird immer gereizter, was sich auch bei einer \u00f6ffentlichen Versammlung zeigt, die am Mittwochabend, dem 17. M\u00e4rz, im Kursaal einberufen wird. Die Aussprache endet in einer verbalen Konfrontation. Ma\u00dfner von der b\u00fcrgerlichen Fraktion: <em>\u201eIch rufe den B\u00fcrgern zu: \u201aHeraus aus dem Mauseloch!\u2018\u201c<\/em>, darauf antwortet Branig von den Linken: <em>\u201eDiese Worte haben den Kampf entfacht, aber wir werden nicht eher ruhen, bis die Diktatur des Proletariats den Sieg in Deutschland feiert.\u201c<\/em><a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Major Ma\u00dfner, der in Bad Lauterberg eine kleine Fabrik leitet, bringen solche \u00c4u\u00dferungen auf die Palme. Dazu erscheint eine Gruppe von 10 Leuten der Volkswehr vor seinem Haus und wirft, nachdem nicht ge\u00f6ffnet wird, eine Handgranate vor den Eingang. Als Ma\u00dfner daraufhin an die T\u00fcr tritt, wird sein Haus durchsucht und zwei Gewehre mitgenommen. Emp\u00f6rt spricht der Major von \u201ePl\u00fcnderung\u201c und bringt den Vorfall am 18. M\u00e4rz zur Anzeige. Ein \u00e4hnlicher Vorfall ereignet sich beim Geheimen Bergrat Uthemann.<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt zwei sich argw\u00f6hnisch betrachtende Fraktionen, auf der einen Seite der Vollzugsrat mit der Volkswehr und auf der anderen der Magistrat und das B\u00fcrgertum. Die sozialistische Arbeiterschaft ist in Bad Lauterberg aber eindeutig in der Mehrheit und zudem bewaffnet, insofern ist die Machtfrage gekl\u00e4rt. Auf dieser Grundlage stellt die Volkswehr in den folgenden Tagen gehortete Lebensmittel sicher und verteilt sie an Bed\u00fcrftige.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6130\" width=\"1124\" height=\"738\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein.jpg 787w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein-300x197.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein-768x505.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein-705x463.jpg 705w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/BL_Kapp_Bild_Farbe_besser_klein-450x296.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1124px) 100vw, 1124px\" \/><figcaption><strong>Die in Bad Lauterberg aufgestellte Volkswehr besteht ausschlie\u00dflich aus sozialistisch eingestellten Arbeitern. Ihr Hauptquartier ist das Sch\u00fctzenhaus,<\/strong><br><strong>heute Hotel Riemann.<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 18. M\u00e4rz wird bekannt, dass der Putsch wegen des Generalstreiks gescheitert ist, die Regierung Ebert\/Bauer \u00fcbernimmt wieder die Gesch\u00e4fte, Gespr\u00e4che zur Beendigung des Streiks werden aufgenommen. Noch bleibt die Informationslage allerdings unklar. Trotzdem ver\u00f6ffentlichen f\u00fcnf Industrielle und Kaufleute in Bad Lauterberg im Namen der gesamten B\u00fcrgerschaft ein Flugblatt, in dem sie das Vorgehen der USPD als ungesetzlich diffamieren und dazu auffordern, am 19. M\u00e4rz die Arbeit wieder aufzunehmen. Wer dem nicht nachkommt, soll entlassen werden. Zus\u00e4tzlich ver\u00f6ffentlicht der Magistrat am 19. M\u00e4rz ein Flugblatt, in dem er sich vom Vollzugsrat distanziert und erkl\u00e4rt, dass er die ihm beigeordnete \u00dcberwachungskommission nicht anerkennt. Noch am selben Tag wird dem Magistrat im Fleckenkollektiv<a href=\"#_ftn23\">[23]<\/a> von allen Parteien das Vertrauen ausgesprochen, mit Ausnahme der USPD, die nicht in diesem Gremium vertreten ist. Das hei\u00dft, dass die SPD auf die Seite der \u201eb\u00fcrgerlichen Parteien\u201c wechselt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am selben Tag tritt das Gewerkschaftskartell zusammen, das am Ort aus den vier Verb\u00e4nden der Holz-, Metall-, Berg- und M\u00fchlenarbeiter besteht. Die Gewerkschafter_innen stimmen \u00fcber den Streik ab und sprechen sich mit 478 zu 85 Stimmen f\u00fcr die Fortf\u00fchrung des Ausstandes aus, was dem Magistrat am 21. M\u00e4rz offiziell mitgeteilt wird. Damit bekennen sich die Arbeiter_innen zum linken Fl\u00fcgel der Sozialdemokratie, denn am 20. M\u00e4rz erkl\u00e4rt der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund (ADGB) in Berlin, der Dachverband der freien Gewerkschaften, das Ende des Generalstreiks. Im Gegensatz dazu wollen linkssozialistische Organisationen ihn erst abbrechen, wenn die Vergesellschaftung der Gro\u00dfindustrie vorgenommen worden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen treffen in Bad Lauterberg Nachrichten von K\u00e4mpfen zwischen Reichswehr und Arbeiterwehren im knapp 150 km entfernt liegenden Halle ein. Au\u00dferdem soll sich im Ruhrgebiet eine Rote Ruhrarmee konstituiert haben. Um das Blutvergie\u00dfen zu beenden, finden unaufh\u00f6rlich Verhandlungen statt. Als der Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) am 22. M\u00e4rz zur\u00fccktritt, bricht auch die USPD den Generalstreik ab. Nur im Ruhrgebiet eskaliert die Situation, und vereinzelt gibt es noch weitere St\u00e4dte und Regionen, in denen die Kampfma\u00dfnahmen l\u00e4nger durchgef\u00fchrt werden \u2013 zu denen, die am l\u00e4ngsten durchhalten geh\u00f6ren die Arbeiter_innen in Bad Lauterberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Die b\u00fcrgerlichen Parteien in Lauterberg schlie\u00dfen sich zu einem Block zusammen und erkl\u00e4ren, ihrerseits f\u00fcr \u201eRuhe und Ordnung\u201c sorgen zu wollen. Bereits am 17. M\u00e4rz hat General Walter von H\u00fclsen, der Chef der 10. Reichswehrbrigade in Hannover, an den Landrat in Osterode ein Telegramm gesandt. Einerseits gibt der General darin seiner Hoffnung Ausdruck, <em>\u201edass auch in dem mir unterstellten Gebiet der bedauernswerte Streik sein Ende nehmen wird\u201c,<\/em><a href=\"#_ftn24\">[24]<\/a> anderseits sind die Beh\u00f6rden damit in Kenntnis gesetzt, dass das Milit\u00e4r zum Einmarsch bereit steht. Sp\u00e4testens seit dem 22. M\u00e4rz ist der Magistrat in Bad Lauterberg \u00fcber dieses Telegramm informiert. An diesem Tag verf\u00fcgt General H\u00fclsen, dass alle Schusswaffen sowie Munition und Sprengmittel von den Gemeindebeh\u00f6rden einzusammeln sind. Wenig sp\u00e4ter bekr\u00e4ftigt der Landrat diese Verordnung, was mittels Zeitungsanzeige und Flugblatt bekannt gemacht wird. Doch die Arbeiterwehr gibt ihre Waffen nicht ab und bleibt auf dem Posten. Im Gegenzug bewaffnen sich die Bauern im Dorf Scharzfeld, die politisch rechts stehen. Die Scharzfelder Bauern geben vor, sich gegen \u00dcberf\u00e4lle der Sozialisten aus Lauterberg verteidigen zu wollen und stehen als Verst\u00e4rkung f\u00fcr die Reichswehr gegen \u201edie Roten\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 26. M\u00e4rz werden Vertreter des Lauterberger Magistrats, darunter auch Funktionstr\u00e4ger der SPD, im Rathaus in Herzberg zusammengerufen. Offiziere der Reichswehr geben bekannt, dass am n\u00e4chsten Tag eine gro\u00df angelegte Entwaffnungsaktion im S\u00fcdharz anl\u00e4uft. In Bad Lauterberg seien die Waffen bis 10 Uhr abzugeben, im anderen Fall w\u00fcrden Zwangsma\u00dfnahmen erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einsatz der Reichswehr bezieht sich auf verschiedene Orte, mindestens 400 Soldaten marschieren in Herzberg ein, wo ebenfalls Entwaffnungsaktionen erfolgen. Ziel und Schwerpunkt der Operation ist aber Bad Lauterberg.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgen des 27. M\u00e4rz, einem Samstag, wird das Harzst\u00e4dtchen umstellt. Zeitzeug_innen berichten von Gesch\u00fctzen auf dem Butterberg. In der Stadt profiliert sich Senator Steckhahn von der SPD, der bereits bei den Gespr\u00e4chen am Vortag mit den Reichswehroffizieren Kontakt aufgenommen hat, als Waffeneinsammler. Das macht keine Probleme, denn die Angeh\u00f6rigen der Volkswehr sehen ein, dass es keinen Sinn hat, gegen die Reichswehr anzutreten. Kurz nach 10 Uhr meldet Steckhahn, die Waffen seien eingesammelt, und Reichswehr marschiert in die Stadt. Von den Soldaten werden an den Ortseing\u00e4ngen mit spanischen Reitern gesicherte Kontrollposten aufgestellt und an strategisch wichtigen Punkten in der Stadt MGs in Stellung gebracht. Dann erfolgen Haussuchungen bei linken Aktivisten. Insgesamt dauert die Entwaffnungsaktion eine Stunde.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend zieht sich die Reichswehr in das f\u00fcr sie etwas angenehmere Scharzfeld zur\u00fcck und biwakiert auf dem M\u00fchlenplatz. Dorthin werden auch die beschlagnahmten Waffen gebracht. Viele Schaulustige, Jugendliche und Kinder finden sich ein, etliche sind den Soldaten aus Bad Lauterberg gefolgt. Eine Pistole, Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde und einige der beschlagnahmten Gewehre kommen der Reichswehr bei dieser Gelegenheit abhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Entwaffnung ist der Streik in Bad Lauterberg beendet und am Montag, dem 29. M\u00e4rz, wird die Arbeit wieder aufgenommen. Im Nachhinein werden einige Gerichtsverfahren angestrengt, die aber wenig sp\u00e4ter durch eine Amnestie f\u00fcr alle im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch begangenen Straftaten null und nichtig werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gravierend wirken sich die Ereignisse auf das Verh\u00e4ltnis zwischen Arbeiterschaft und B\u00fcrgertum aus, sowie auf das Verh\u00e4ltnis zwischen USPD und SPD. Die Linken werfen der SPD Verrat vor, selbst Maifeiern werden ab jetzt getrennt durchgef\u00fchrt. Als Folge der Radikalisierung wird wenig sp\u00e4ter die Ortsgruppe der KPD in Lauterberg gegr\u00fcndet, zu der bald sehr viele USPD-Mitglieder \u00fcbertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Lauterberger Wochen- und Anzeigenblatt (LWA), existiert bis 30.6.1929, ab 1.7.1929 Bad Lauterberger Tageblatt (BLT).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Theo Schl\u00f6sser, Lebenserinnerungen, o. J., m\u00fcndlicher Bericht, nicht gedrucktes Skript, im Besitz des Verfassers.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> <em>Lauterberger Wochen- und Anzeigenblatt (LWA)<\/em>, 12.8.1919.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> <em>LWA<\/em>, 16.8.1919.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Die Versammlung fand am 1.9.1919 statt. Vgl.: <em>LWA<\/em>, 4.9.1919.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Jean Uebel, im Weltkrieg Unteroffizier, 1918 Soldatenrat in Bad Lauterberg, 1919-1922 USPD, 1924-1933 Ortsvereinsvorsitzender und Wortf\u00fchrer der SPD, 1945-1946 kurzzeitig von den Alliierten als B\u00fcrgermeister eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> <em>LWA<\/em>, 13.9.1920, und Evangelisches Pfarramt Bad Lauterberg, Akte <em>Austritte 1910-1945<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> <em>LWA<\/em>, 11.11.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Hermann Stopperich, geb\u00fcrtig in Dahlhausen, heute Bochum, kommt 1917 nach Bad Lauterberg und arbeitet in der Industrie. Bis dahin war er als Soldat im Weltkrieg und wird wohl Ende des Krieges erneut eingezogen. 1918 ist er Mitglied im Soldatenrat in M\u00fcnster. Im selben Jahr schlie\u00dft er sich der SPD und dem Metallarbeiterverband an. Er ist Betriebsratsvorsitzender und Vorsitzender der Betriebsratsvereinigung in Bad Lauterberg und tritt zur USPD \u00fcber. Bis 1922 ist er deren Parteisekret\u00e4r und von 1949 bis zu seinem Tod 1952 Bundestagsabgeordneter der SPD f\u00fcr den Wahlkreis Harz.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> <em>LWA<\/em>, 11.11.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> <em>LWA<\/em>, 17.11.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> <em>LWA<\/em>, 15.11.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Vgl.: <em>Handschriftlicher Bericht<\/em> vermutlich des B\u00fcrgermeisters, zit. in: Eberhard Jacobshagen: <em>Die Entwicklung der SPD und KPD in der Weimarer Republik, dargestellt am Beispiel einer nieders\u00e4chsischen Kleinstadt: Bad Lauterberg.<\/em> Schriftliche Hausarbeit f\u00fcr das Lehramt an Volksschulen. Bad Lauterberg 1969, S. 27 f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Flugblatt des Bad Lauterberger Vollzugsrats, zit. in: Jacobshagen (1969), S. 28.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Theo Schl\u00f6sser, Lebenserinnerungen, o. J., m\u00fcndlicher Bericht, nicht gedrucktes Skript, im Besitz des Verfassers.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> In dem Haus in der heutigen Wissmannstra\u00dfe lebte die Mutter Hermann von Wissmanns nach dem Tod ihres Mannes. Der prominente Afrikaforscher, Offizier und Kolonialbeamter, sp\u00e4ter Reichskommissar und letztendlich Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, Hermann von Wissmann (1853 \u2013 1905) besuchte des \u00f6fteren seine Mutter, das Haus erhielt daraufhin seinen Namen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Hierbei handelte es sich wohl um eine Machtdemonstration gegen\u00fcber dem B\u00fcrgertum. Der B\u00fcrgermeister ist seit den Wahlen von 1919 August Stauf (SPD).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> <em>LWA<\/em>, 16.3.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> <em>LWA<\/em>, 16.3.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> <em>LWA<\/em>, 16.3.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> <em>LWA<\/em>, 16.3.1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> <em>LWA<\/em>, Nr. 33, 18. M\u00e4rz 1920.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> Siehe: Jacobshagen (1969), S. 29.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a> Verwaltung mit zentral\u00f6rtlicher Funktion, ein Flecken bildet f\u00fcr die umliegenden D\u00f6rfer den Mittelpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a> Zit. in: Jacobshagen (1969), S. 30.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>100 Jahre Abwehr des Kapp-Putsches am Beispiel Bad Lauterberg Autor: Bernd Langer|erschienen in Unser Harz Nr.9\/2020|in gek\u00fcrzter Fassung am 19. April im Harzkurier Im gesamten Reichsgebiet hat sich die Spaltung der sozialdemokratischen Bewegung nach der Novemberrevolution 1918 vertieft. 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