{"id":6784,"date":"2024-05-01T17:33:39","date_gmt":"2024-05-01T17:33:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/end-the-glorification-of-german-colonial-crimes-copy\/"},"modified":"2024-05-02T21:18:43","modified_gmt":"2024-05-02T21:18:43","slug":"antifaschistischen-widerstand-ns-regime-und-weltkrieg-in-herzberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/antifaschistischen-widerstand-ns-regime-und-weltkrieg-in-herzberg\/","title":{"rendered":"Antifaschistischen Widerstand, NS-Regime und II. Weltkrieg in Herzberg am Harz"},"content":{"rendered":"<p>Nordwestlich von Bad Lauterberg liegt Herzberg. Nur etwa 10 Kilometer voneinander entfernt, sind beide St\u00e4dte recht unterschiedlich. Herzberg z\u00e4hlte im Jahr 1930 offiziell 4.625 Einwohner und damit fast 2.000 weniger als Bad Lauterberg<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Zudem war Herzberg nie ein Kurort, sondern tr\u00e4gt den Charakter einer Industrie- und Verwaltungsstadt. Letzteres h\u00e4ngt mit dem Welfenschloss zusammen. In der Residenz hoch oben auf dem Schlossberg fielen schon seit eh und je rechtliche Entscheidungen. Jedoch erst mit der einheitlichen Gerichtsverfassung im damaligen K\u00f6nigreich Hannover erhielt das Amtsgericht 1852 seinen Sitz im Schloss. Sp\u00e4ter wurde Herzberg auch Standort des Finanzamtes des Kreises Osterode am Harz.<\/p>\n<p>Bedeutendster Wirtschaftsfaktor war im 18.und 19. Jahrhundert die Waffenproduktion.<\/p>\n<p>Das Kurf\u00fcrstentum Braunschweig-L\u00fcneburg, inoffiziell Kurf\u00fcrstentum Hannover genannt, etablierte 1732 eine Gewehrfabrik f\u00fcr die Hannoversche Infanterie in Herzberg. Dabei blieb es nicht. Nach der Aufl\u00f6sung der Gewehrschlossfabrik 1736 in Hannover\/Linden wanderte die Werkstatt-Einrichtung zun\u00e4chst nach Lonau und dem Oderfeld bei Barbis. 1738 wurde die gesamte Produktion schlie\u00dflich in Herzberg zusammengelegt. Unterhalb des alten Welfenschlosses stellte die Fabrik mit ihren 200 Besch\u00e4ftigen im 19. Jahrhundert ein gro\u00dfes Wirtschaftsunternehmen dar. Seine Bl\u00fctezeit hatte die Fertigung in Herzberg ab 1814, als das K\u00f6nigreich Hannover entstand.<\/p>\n<p>Nach der Schlacht von Langensalza im Jahr 1866 annektierte Preu\u00dfen das K\u00f6nigreich Hannover. Der preu\u00dfische Staat hatte kein Interesse an einer Waffenproduktion im besetzten Gebiet und entzog die staatlichen Auftr\u00e4ge. Mit Jagdwaffen und -zubeh\u00f6r ging die Produktion stark eingeschr\u00e4nkt bis 1876 weiter. Dann endete die Geschichte der Herzberger Gewehrfabrik.<\/p>\n<p>Neben der Waffenfabrik existierte eine bedeutende Leinen- und Tuchherstellung. Auch nach deren Niedergang blieb Herzberg ein industrieller Standort. Beispiele w\u00e4ren Otto Pleissner, der 1908 eine Eisengie\u00dferei in der Stadt gr\u00fcndet. 1926 kauften Karl und Wilhelm Osthushenrich aus Bielefeld die Papierfabrik. Die Br\u00fcder verlegen wenig sp\u00e4ter ihren Hauptsitz nach Herzberg. Nicht zu vergessen die Fritz Homann AG, mit Sitz in Dissen, die im Jahr 1929 ein S\u00e4gewerk in Herzberg erwarb.<\/p>\n<p>Insofern hatte Herzberg eine proletarische Geschichte und es gab auch eine sozialdemokratische Bewegung. In diese Richtung wurde bislang von Historikern aber nicht geforscht.<\/p>\n<p>Ein erster Beleg f\u00fcr eine sozialistische Arbeiterschaft in Herzberg findet sich im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch im Jahr 1920. Im M\u00e4rz marschierte die Marinebrigade Ehrhardt in Berlin ein um die Regierung zu st\u00fcrzten. Die K\u00f6pfe dieses ersten rechtsradikalen Putsches in der deutschen Geschichte waren General von L\u00fcttwitz und Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp. Der Putsch scheiterte, u.a. am einzigen Generalstreik in der deutschen Geschichte. Dar\u00fcber hinaus bewaffneten sich an vielen Orten spontan aufgestellte Arbeiterwehren, um gegen den Putsch vorzugehen. In einigen Regionen Deutschlands kam es zu B\u00fcrgerkriegsk\u00e4mpfen. Von bewaffneten Konfrontationen blieb der S\u00fcdharz verschont, aber auch hier gab es Arbeiterwehren. Bad Lauterberg stand vollst\u00e4ndig unter Kontrolle einer solchen Miliz, die ihre Waffen nicht freiwillig abgeben wollte. Daher erhielt die Reichswehrbrigade 10 den Befehl, die Arbeiterschaft zu entwaffnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6828\" style=\"width: 1248px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6828\" class=\"size-full wp-image-6828\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix.jpg\" alt=\"\" width=\"1238\" height=\"1892\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix.jpg 1238w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-196x300.jpg 196w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-768x1174.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-1005x1536.jpg 1005w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-982x1500.jpg 982w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-448x684.jpg 448w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-465x710.jpg 465w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-461x705.jpg 461w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/K.-Peix-838x1280.jpg 838w\" sizes=\"auto, (max-width: 1238px) 100vw, 1238px\" \/><p id=\"caption-attachment-6828\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Karl Peix erblickte als j\u00fcngstes Kind einer Arbeiterfamilie, am 27. M\u00e4rz 1899 in Herzberg, das Licht der Welt. Er hatte zwei Schwestern und zwei Br\u00fcder. Sp\u00e4ter lebte Peix in Bad Lauterberg und war Anfang der 1930er Jahre der bekanntesten KPD-Funktion\u00e4r der Harzregion. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 tauchte Peix unter und organisierte den Widerstandskampf der KPD im Harz, bis ihn die Gestapo im Oktober 1933 in Hannover verhaftete. Unter Folter wollte man Informationen von ihm erpressen. Zun\u00e4chst in die SA-Kaserne dann im Polizeigef\u00e4ngnis. Karl Peix hielt stand. Wohl bereits 1937 geh\u00f6rte er zu den ersten H\u00e4ftlingen des KZ Buchenwald, wo er die Widerstandsgruppe im Krankenrevier ma\u00dfgeblich mit aufbaute. Am 6. November 1941 wurde Karl Peix, gemeinsam mit Walter Kr\u00e4mer, im Au\u00dfenlager Goslar des KZ-Buchenwald von der SS erschossen.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Am 26. M\u00e4rz 1920 wurden Vertreter des Lauterberger Magistrats, darunter auch Funktionstr\u00e4ger der SPD, im Rathaus in Herzberg zusammengerufen. Offiziere der Reichswehr gaben bekannt, dass am n\u00e4chsten Tag eine gro\u00df angelegte Entwaffnungsaktion anlaufen w\u00fcrde. Ein Beteiligter aus Lauterberg schilderte die Begebenheit wie folgt, \u201eIn der Sitzung mit den Offizieren, an der auch die Herzberger Herren teilgenommen haben, sagte der f\u00fchrende Offizier: \u201eMeine Herren! Die Sache muss bis 10 Uhr erledigt und s\u00e4mtliche Waffen abgeliefert sein.\u201c\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> anderen Falles w\u00fcrde es zu Zwangsma\u00dfnahmen kommen.<\/p>\n<p>Der Einsatz der Reichswehr bezog sich auf verschiedene Orte, mindestens 400 Soldaten marschierten in Herzberg ein, wo ebenfalls Entwaffnungsaktionen erfolgten. Herzberg war Ausgangspunkt des weiteren Vorgehens. Zu diesem Sachverhalt gibt es lediglich eine Zeitungsmeldung ohne weitere Angaben.<\/p>\n<p>Vielerorts f\u00fchrte der Kapp-Putsch zu einem Aufleben der KPD. \u00dcber Herzberg gibt es in dieser Richtung leider keine Informationen. Doch der bekannteste KPD-Politiker der Region, Karl Peix, wurde er am 27. M\u00e4rz 1899 in Herzberg als achtes Kind eines Webereiarbeiters geboren. Die wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse der Familie waren k\u00e4rglich. Mit harter Arbeit hielt man sich am Leben.<\/p>\n<h3><strong>Herzberger KPD<\/strong><\/h3>\n<p>Zu Beginn des I. Weltkrieges war Karl Peix 15 Jahre alt. Anders als seine Br\u00fcder zu jung f\u00fcr den Krieg. Ein Bruder fiel im Jahr 1917<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, ein anderer entweder im Jahr darauf kurz vor Kriegsende oder er starb mit seiner Frau an der Grippe-Pandemie. Es gibt zwei \u00dcberlieferungen. Wohl 1916 zog Karl Peix, noch minderj\u00e4hrig, in den Krieg. Es gab Freiwillige die erst 16 Jahre alt waren. Wann und warum sich Peix gemeldet hat ist nicht bekannt. Sicher ist, dass er als Frontsoldat k\u00e4mpfte und das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen bekam. Wann er den Beruf des Pinselmachers erlernte, ist unklar. Als Ort kommt nur Bad Lauterberg in Frage, wo Karl Peix seinen Wohnort w\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Ein Bezug zu Herzberg blieb sicherlich bestehen, seine Mutter starb 1919, sein Vater 1930. Ab Dezember 1919 war er als Auftr\u00e4ger im Emaillierwerk der Bad Lauterberger Blechwarenfabrik t\u00e4tig. Dort lernte seine zuk\u00fcnftige Ehefrau kennen. Marie Peix, geborene Ernemann, erblickte am 20.7.1899 das Licht der Welt. Die beiden waren Mitglieder der USPD und heirateten am 24. Dezember 1920. Zun\u00e4chst wohnten sie in der H\u00fcttenstra\u00dfe 12, bei Ernemann, also wohl ihren Eltern. Dann in der Schanzenstra\u00dfe 2 und schlie\u00dflich in der St\u00fctzerstra\u00dfe 4. Als sich Anfang 1921 die KPD-Ortsgruppe in Bad Lauterberg etablierte waren die beiden mit dabei. Karl Peix wurde bald Vorsitzender des sich entwickelnden KPD Unterbezirks Bad Lauterberg. Er war Stadtratsmitglied, sa\u00df als KPD-Abgeordneter im Osteroder Kreistag und ab 1929 gleichzeitig im Provinziallandtag der Provinz Hannover. Im S\u00fcdharz war er sehr bekannt und hatte manche Konfrontation mit den Nazis auszufechten.<\/p>\n<p>Herzberg war zwar der Geburtsort von Karl Peix, Lebensmittelpunkt aber Bad Lauterberg. Von hier gingen die politischen Impulse f\u00fcr die gesamte Region aus, auch zur KPD-Ortsgruppe Herzberg.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Karte_BL-1.pdf\">Karte_BL<\/a><\/p>\n<p>Karl Peix erblickte als j\u00fcngstes Kind einer Arbeiterfamilie, am 27. M\u00e4rz 1899 in Herzberg, das Licht der Welt. Er hatte zwei Schwestern und f\u00fcnf Br\u00fcder. Sp\u00e4ter lebte Peix in Bad Lauterberg und war Anfang der 1930er Jahre der bekanntesten KPD-Funktion\u00e4r der Harzregion. Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 tauchte Peix unter und organisierte den Widerstandskampf der KPD im Harz, bis ihn die Gestapo im Oktober 1933 in Hannover verhaftete. Unter Folter wollte man Informationen von ihm erpressen. Zun\u00e4chst in die SA-Kaserne dann im Polizeigef\u00e4ngnis. Karl Peix hielt stand. Wohl bereits 1937 geh\u00f6rte er zu den ersten H\u00e4ftlingen des KZ Buchenwald, wo er die Widerstandsgruppe im Krankenrevier ma\u00dfgeblich mit aufbaute. Am 6. November 1941 wurde Karl Peix, gemeinsam mit Walter Kr\u00e4mer, im Au\u00dfenlager Goslar des KZ-Buchenwald von der SS erschossen.<\/p>\n<p>In den Ermittlungsakten der Gestapo sind einige Fakten \u00fcberliefert. So findet sich der Name Willi B\u00f6rker. Ein Arbeiter, der im Sommer 1931 in die KPD eintrat und ab September 1932 Propagandaleiter der KPD-Ortsgruppe Herzberg war. Am 20. November 1904 geboren, wurde B\u00f6rker mit 26 Jahre KPD-Mitglied.<\/p>\n<p>Anfang der 1930er Jahre traten viele junge Arbeiterinnen und Arbeiter in die Partei ein \u2013 und bald wieder aus. Es gab eine hohe Mitgliederfluktuation. Inwieweit das auf Herzberg zutrifft, l\u00e4sst sich nicht sagen. \u00dcberhaupt ist vom politischen Engagement der KPD in Herzberg nur sehr wenig \u00fcberliefert. Ein Bericht findet sich im Roten Sender, Zeitung der KPD aus Bad Lauterberg.<\/p>\n<p>Am Sonntag, den 28. September 1932 nutzte die NSDAP die Beerdigung eines SA-Mannes um die von der Papen-Regierung erlassenen Notverordnung samt Burgfrieden, zu unterlaufen. Es galt ein generelles Verbot von politischen Demonstrationen.<\/p>\n<p>Unter der \u00dcberschrift \u201eF\u00fcr SS und SA besteht kein Burgfrieden\u201c berichtete der Rote Sender:<\/p>\n<p>\u201eDie Herzberger Arbeiterklasse hatte am vergangenen Sonntag Gelegenheit zu beobachten, dass Notverordnung, Burgfrieden und sonstige politische Knebelungsgesetze, nur auf Kommunisten Anwendung finden; \u2026 So hatte man aus dem weitesten Umkreis die SS und SA zusammengezogen. Jedoch wie immer \u00fcblich war, im Gegensatz zu kommunistischen Aufm\u00e4rschen, keine Polizei da. Die Herzberger Polizei, die schon zum wiederholten Male in dem Zusammenstehen zweier Arbeiter einen Versto\u00df gegen den Burgfrieden erblickte, und immer zum Weitergehen aufforderte, konnte diesmal ganz anders. Man lie\u00df erst die SS und SA sich formieren und nachdem sie losmarschiert waren, versuchte man den Zug aufzul\u00f6sen, was jedoch der Herzberger Polizei in ihrer so stark ausgepr\u00e4gten Zartheit nicht gelang, \u2026 . Die Emp\u00f6rung der Herzberger Arbeiterschaft \u00fcber das Verhalten der Polizei hatte zur Folge, dass die Polizei sich nunmehr den Anschein gab, als sei sie lediglich zu schwach den Zug aufzul\u00f6sen. Die Herzberger Polizei kann jedoch auch anders, das hat sie bereits zum wiederholten Male bewiesen, dass wenn es sich um Arbeiter handelt, ihre am Sonntag an den Tag gelegte Zartheit nicht vorhanden ist. Arbeiter Herzbergs! Lernt aus diesem Vorfall, dass nur in der geschlossenen Antifaschistischen Einheitsfront die Gew\u00e4hr f\u00fcr den Schutz der Arbeiterwohnungen liegt. Zeigt den Nazis, dass ihr nicht l\u00e4nger gewillt seid, ihnen die Stra\u00dfe zu \u00fcberlassen.\u201c Direkt an diesen Artikel f\u00fcgt sich ein weiterer an. \u201eDer Herzberger Pastor auch unpolitisch! Dem bei der Beerdigung amtierenden Pastor scheint wenig oder gar nichts an seinen Gl\u00e4ubigen, soweit sie nicht Nazis sind, zu liegen. \u2026 Damit seine unpolitische Leichenrede nicht von Unberufenen geh\u00f6rt werden sollte, gab er einem SA-Mann den Befehl, nicht so viel Menschen auf den Friedhof zu lassen. Antifaschisten, die ihr noch Mitglieder der Kirche seid, erkennt die Gefahr! Gebt den faschistischen Seelsorgern die Antwort. Heraus aus der Kirche!\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_6832\" style=\"width: 752px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6832\" class=\"size-full wp-image-6832\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie.jpg\" alt=\"Mitgliedabzeichen des Proletarischen Freidenkerverbandes\" width=\"742\" height=\"742\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie.jpg 742w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-300x300.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-80x80.jpg 80w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-36x36.jpg 36w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-180x180.jpg 180w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-684x684.jpg 684w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-710x710.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Prol_Freidenker-Kopie-705x705.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><p id=\"caption-attachment-6832\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Mitgliedabzeichen des Proletarischen Freidenkerverbandes.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Der Proletarische Freidenkerverband war, Anfang der 1930er Jahre, als Abspaltung vom Deutschen Freidenkerverband, entstanden und eine Vorfeldorganisation der KPD. Im Gegensatz zum Christentum propagierte die atheistische, sozialistische Arbeiterbewegung die Feuerbestattung.<\/p>\n<p>Den Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 versuchte die KPD durch einen Generalstreik zu verhindern. W\u00e4hrend in Bad Lauterberg einige Betriebe in den Streik gef\u00fchrt werden konnten und antifaschistische Demonstrationen die Stra\u00dfe beherrschten, gab es auch in Herzberg entsprechende Versuche. Das G\u00f6ttinger Tageblatt berichtete am 2. Februar 1933: \u201eVor verschiedenen Herzberger Betrieben wurde von kommunistischer Seite zum Streik aufgefordert. Es ist jedoch niemand beobachtet worden, der auf Grund dieser Aufforderung seinen Arbeitsplatz verlassen hat. In den Abendstunden zog ein Gruppe Kommunisten durch die Stadt und forderte in Sprechch\u00f6ren erneut zum Streik auf. Auch wurden Schm\u00e4hrufe gegen die neue Regierung ausgebracht.\u201c<\/p>\n<h3><strong>Der Kampf aus der Illegalit\u00e4t<\/strong><\/h3>\n<p>Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 baute die KPD eine illegale Struktur im S\u00fcdharz auf. Karl Peix war seiner Verhaftung entgangen, viele Kommunist_innen noch nicht entmutigt. Die Organisation wurde von Bad Lauterberg aus geleitet. Auch eine Ortsgruppe in Herzberg geh\u00f6rte zum illegalen Geflecht, das von der Gestapo noch im selben Jahr aufgedeckt und zerschlagen werden konnte. Aus dem Ermittlungsbericht ergibt sich folgendes Bild.<\/p>\n<div id=\"attachment_6831\" style=\"width: 1286px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6831\" class=\"size-full wp-image-6831\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web.jpg\" alt=\"\" width=\"1276\" height=\"1810\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web.jpg 1276w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-211x300.jpg 211w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-768x1089.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-1083x1536.jpg 1083w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-1057x1500.jpg 1057w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-482x684.jpg 482w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-501x710.jpg 501w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-497x705.jpg 497w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Diagramm_KPD_illegal_web-902x1280.jpg 902w\" sizes=\"auto, (max-width: 1276px) 100vw, 1276px\" \/><p id=\"caption-attachment-6831\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Diagramm der illegalen Zellenstruktur des UBL 1934.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Mitte M\u00e4rz 1933 trafen sich Willi B\u00f6rker und der Schlosser Gustav Meyer, Jahrgang 1907, mit einem Vertreter aus Bad Lauterberg am Wasserbassin in Herzberg. Hier wurde der Aufbau von zwei F\u00fcnfer-Gruppen besprochen. Eine f\u00fchrte B\u00f6rker die zweite Meyer. Es folgten weitere Treffen, Mitgliedsbeitr\u00e4ge wurden abgef\u00fchrt und illegales Material wie 10 Rote Sender oder 10 Exemplare der Roten Fahne verteilt.<\/p>\n<p>In der Anklageschrift in der Strafsache gegen 74 Angeklagte wegen Vorbereitung zum Hochverrat, ausgefertigt am 27. November 1933 in Kassel, finden sich auch die Angaben zu den weiteren Mitgliedern:<\/p>\n<p>Hermann Baumbach, Sieberstra\u00dfe 194, geb. 29. Juni 1909 in Ilfeld.<\/p>\n<p>Kurt H\u00f6hne, Sieberstra\u00dfe 194, geb. 5. Mai 1898 in Schm\u00f6lln.<\/p>\n<p>Ernst M\u00fcgge, S\u00e4gem\u00fchlenstra\u00dfe 282, geb. 12. Dezember 1904 Osterode am Harz.<\/p>\n<p>Hans Tahler, Jue\u00dfholz 716, geb. 15. Februar 1894 Herzogenaurach.<\/p>\n<p>Franz Hartmann, Lohbrink 346, geb. 13. Februar 1904 in Herzberg.<\/p>\n<p>Karl Hartmann, Heideufer 514, geb. 12. August 1906 in Herzberg.<\/p>\n<div id=\"attachment_6830\" style=\"width: 1229px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6830\" class=\"size-full wp-image-6830\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_.jpg\" alt=\"Dienstsiegel Amtsgericht Herzberg\" width=\"1219\" height=\"1186\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_.jpg 1219w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-300x292.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-768x747.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-36x36.jpg 36w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-703x684.jpg 703w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-710x691.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Amtsg_Herzberg.web_-705x686.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1219px) 100vw, 1219px\" \/><p id=\"caption-attachment-6830\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Dienstsiegel des Amtsgericht Herzberg zur NS-Zeit. Im Gerichtsgef\u00e4ngnis wurden Antifaschisten zeitweise inhaftiert. Bei Gustav Meyer ist in der Anklageschrift vom November 1933 vermerkt, \u201ez. Z. in Schutzhaft im Gerichtsgef\u00e4ngnis Herzberg\u201c.<\/span><\/p><\/div>\n<h3><strong>Viehwagen als Pranger<\/strong><\/h3>\n<p>Aber nicht nur Kommunist_innen waren von der Repression des NS-Regimes betroffen. Insgesamt kamen rund 40 Herzberger_innen in den n\u00e4chsten Monaten und Jahren aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden in Haft. Etwa der Vieh\u00e4ndler Emil Hieke und der Kaufmann Wilhelm H\u00f6ltig. Beide wurden wegen staatsfeindlicher \u00c4u\u00dferungen und Mitgliedschaft in einer verbotenen Partei verhaftet. Wilhelm Hieke starb im KZ Werl, Emil H\u00f6ltig im KZ Oranienburg. Seine Geschichte ist besonders erw\u00e4hnenswert, da sie sich unter Beteiligung der Bev\u00f6lkerung in aller \u00d6ffentlichkeit abspielte.<\/p>\n<p>Der Kaufmann Emil H\u00f6ltig war ein reaktion\u00e4rer Monarchist und Funktion\u00e4r der DHP (Deutsch-Hannoversche Partei). Diese Partei war 1869 aus Protest gegen die Annexion des K\u00f6nigreiches Hannover durch Preu\u00dfen und die Beschlagnahmung des Welfen-Verm\u00f6gens gegr\u00fcndet worden. Ihr Ziel bestand darin die welfischen Dynastie wiederherzustellen, deshalb wurde sie auch Welfenpartei genannt. Nach 1918 trat die DHP f\u00fcr ein von Preu\u00dfen unabh\u00e4ngiges Hannover als Gliedstaat des Deutschen Reiches ein. Mit dieser Ausrichtung war die Partei im ehemaligen hann\u00f6verschen Gebiet eine relevante politische Kraft und verzeichnete in den Anfangsjahren der Weimarer Republik in einigen Landkreisen absolute oder gar Zweidrittelmehrheiten bei den Reichstagswahlen. Im Zuge des Kapp-Putsches 1920 kommt es sogar zu einem Umsturzversuch in Hannover, dem \u201eWelfenputsch\u201c.<\/p>\n<p>Ihren H\u00f6hepunkt erlebte die DHP am 18. Mai 1924 als sie einen Volksentscheid \u00fcber ein Land Hannover durchf\u00fchren wollte. Nach dessen Scheitern, setzte der Niedergang der DHP ein. Teile schlossen sich der NSDAP an, andere hielten die immer bedeutungsloser werdende Partei aufrecht, die 1932 ihr letztes Reichstagsmandat verlor. Den Nazis blieb die Welfenpartei ein Dorn im Auge. Nationalsozialisten waren keine Monarchisten und standen separatistischen Bestrebungen grunds\u00e4tzlich ablehnend gegen\u00fcber. Bevor sie verboten wurde, l\u00f6ste sich die DHP im Juli 1933 auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_6871\" style=\"width: 1087px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6871\" class=\"size-full wp-image-6871\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web.jpg\" alt=\"\" width=\"1077\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web.jpg 1077w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web-300x201.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web-768x513.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web-845x565.jpg 845w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web-710x475.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Los_von_Preussen_web-705x471.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1077px) 100vw, 1077px\" \/><p id=\"caption-attachment-6871\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Propagandapostkarte der DHP zur Vorabstimmung f\u00fcr ein Land Hannover am 18. Mai 1924. Das Niedersachsenro\u00df sprengt seine Ketten und springt in die Freiheit, Richtung Sonne. Die geht hinter Hannover an der Leine auf, zu erkennen sind Rathaus, Marktkirche und die Waterloo S\u00e4ule. Alle etablierten Parteien stellten sich gegen die DHP, die Vorabstimmung scheiterte.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Propagandapostkarte der DHP zur Vorabstimmung f\u00fcr ein Land Hannover am 18. Mai 1924. Das Niedersachsenro\u00df sprengt seine Ketten und springt in die Freiheit, Richtung Sonne. Die geht hinter Hannover an der Leine auf, zu erkennen sind Rathaus, Marktkirche und die Waterloo S\u00e4ule. Alle etablierten Parteien stellten sich gegen die DHP, die Vorabstimmung scheiterte.<\/p>\n<p>H\u00f6ltig, Jahrgang 1886 und Weltkriegsteilnehmer, war kein Freund der Nazis, sie waren ihm zu plebejisch, modern und gro\u00dfdeutsch. Der Kaufmann hing weiter an dem alten K\u00f6nigreich Hannover und polterte in Gespr\u00e4chen immer wieder gegen die NSDAP und Hitler. Seinem Angestellten und sp\u00e4teren Herzberger SA-Scharf\u00fchrer (Unteroffizier) gegen\u00fcber gab sich H\u00f6ltig ohne Umschweife als welfentreu gesinnt zu erkennen. Es fielen S\u00e4tze wie: \u201eIch habe im Krieg keinen Finger krumm gemacht. F\u00fcr mein Herrscherhaus h\u00e4tte ich gek\u00e4mpft, aber f\u00fcr Preu\u00dfen nicht.\u201c Oder \u201eIch kenne kein Vaterland. Ich w\u00fcrde mich \u00fcberall wohl f\u00fchlen, wo ich mein Auskommen h\u00e4tte.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Dabei wusste H\u00f6ltig um die Gefahr. Nachdem sein Angestellter im Juni 1932 in die SA eingetreten war, sagte er seiner Frau: \u201eMit ihrem Mann kann ich mich, seit er in der SA ist, nicht mehr richtig unterhalten. Denn sollte man einmal etwas sagen, so ist er verpflichtet, das der Partei zu melden\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>H\u00f6ltig sorgte mit seiner aufbrausenden Art selbst daf\u00fcr, dass seine Haltung allgemein bekannt war. Er machte auch kein Geheimnis daraus, das er nur aus taktischer Vorsicht Ende 1933 in den Stahlhelm eintrat. In diesem Zusammenhang eskalierte ein Treffen mit SA-Leuten und Stahlhelmern am 28. M\u00e4rz 1934 in Bad Lauterberg. Dort \u00e4u\u00dferte sich H\u00f6ltig in einer Tour abf\u00e4llig \u00fcber Hitler und quittierte \u201eHeil Hitler\u201c mit dem Stahlhelm-Gru\u00df \u201eFront-Heil\u201c. Schlie\u00dflich warf ihn die SA aus dem Lokal und die Polizei nahm den Vorgang auf.<\/p>\n<p>Kurz darauf wurde H\u00f6ltig die Denunziation seiner Mieterin zum Verh\u00e4ngnis. Der Kaufmann besa\u00df ein Haus in der Leo-Schlageter-Allee 651, heute Friedrich-Ebert-Stra\u00dfe. Die untere Etage hatte er einer Familie vermietet. Die 28-j\u00e4hrige Ehefrau h\u00f6rte am Abend 7. Juni 1934 mit, was ihr Vermieter ein Stockwerk h\u00f6her im w\u00fctenden Ton gegen\u00fcber seiner Frau von sich gab. Sie ging zur Polizei und gab zu Protokoll: \u201eEr sagte \u201aDies verfluchte Deutschland, man kann keinem mehr trauen.\u2018 Auf die Person Adolf Hitlers sagte er: \u201aDer Verbrecher, der Lump, der Bandit, wenn ihn doch endlich mal einer ermorden wollte.\u2018 Dieses hat er, wahrscheinlich in betrunkenem Zustand, des \u00f6fteren wiederholt. Vor l\u00e4ngerer Zeit, als H\u00f6ltig von einer Reise aus Hannover zur\u00fcckgekommen war, \u00e4u\u00dferte er zu den Eheleuten, er h\u00e4tte noch keine Waffe in die Hand genommen, aber wenn es mal gegen die \u201abraunen Schweinehunde\u2018 ginge dann w\u00fcrde er sofort schie\u00dfen. Dieses habe ich in meiner Wohnung, welche sich in der I. Etage des H\u00f6ltig\u2019schen Grundst\u00fcckes befindet, geh\u00f6rt. Die Eheleute wohnen in der II. Etage des gleichen Grundst\u00fccks.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>Nachdem das Protokoll verfasst war, schritt nicht die Polizei, sondern die \u00f6rtliche SS ein. Am Abend des 8. Juni 1934, gegen 19.30 Uhr, verhaftete der Herzberg SS-Truppf\u00fchrer in Begleitung zwei weiterer SS-M\u00e4nner, den NS-Gegner H\u00f6ltig. Der Truppf\u00fchrer hatte sich etwas besonderes ausgedacht. \u201eAls abschreckende Beispiel gegen andere W\u00fchlm\u00e4use, die heute noch ihr Unwesen treiben, wurde H. in einem Viehwagen durch die Stra\u00dfen der Stadt gezogen. In bestimmten Zwischenr\u00e4umen wurde gehalten, und Arbeitsdienstler, die den Wagen zogen, bildeten Sprechch\u00f6re, in denen den N\u00f6rgler und Miesmachern sch\u00e4rfster Kampf angesagt wurde. Nach dem Umzug wurde H. der Polizei \u00fcbergeben und noch am selben Abend ins Untersuchungsgef\u00e4ngnis nach Osterode abgef\u00fchrt. \u2013 Dieser Vorfall mag allen Meckerern und besonders den \u201a150prozentigen Nationalsozialisten\u2018, die den Namen des F\u00fchrers und der Bewegung als Mittel zum Zweck immer in den Vordergrund schieben, als warnendes Beispiel dienen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Erst nach dieser Erniedrigung wurde H\u00f6ltig vernommen und bereits am 11. Juni wieder auf freien Fu\u00df gesetzt. Allerdings erhielt er gleichzeitig ein Schreiben vom B\u00fcrgermeister als Ortspolizeibeh\u00f6rde \u201eNachdem das Amtsgericht Osterode (Harz) Ihre vorl\u00e4ufige Haftentlassung angeordnet hat, warne ich Sie in Ihrem eigenen Interesse dringend, Ihre Wohnung mehr als unbedingt erforderlich zu verlassen. Zum Schutze Ihrer Person m\u00fc\u00dfte n\u00f6tigenfalls Schutzhaft \u00a7 15 des Pol.Verw. Ges. vom 1.6.31 \u00fcber Sie verh\u00e4ngt werden, die Kosten h\u00e4tten Sie selbst zu tragen.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Noch im Juni kam H\u00f6ltig erneut in Haft, diesmal ins KZ-Oranienburg, wo er umkam.<\/p>\n<p>Vergessen war die Geschichte mit dem Viehwagen aber nicht und hatte im Jahr 1949 ein juristisches Nachspiel. Im Mai 1949 hatten sich der ehemalige SS-Oberscharf\u00fchrer Gustav H., der 1934 als Truppf\u00fchrer die Herzberger SS angef\u00fchrt und den Transport mit dem Viehwagen zu verantworten hatte, und einer seiner SS-Kumpane, vor dem G\u00f6ttinger Schwurgericht zu verantworten. Das Gericht stellte fest, das gegen H\u00f6ltig kein Haftbefehl vorlag und es die Polizei sogar ausdr\u00fccklich abgelehnt hatte einen solchen auszustellen. \u201eSie haben Stra\u00dfenterror der \u00fcbelsten Art ver\u00fcbt und haben die Ehre eines angesehenen B\u00fcrgers in den Schmutz getreten\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><em><strong>[10]<\/strong><\/em><\/a> urteilte der Richter \u00fcber Gustav H. . Trotzdem erhielt der ehemalige SS-Oberscharf\u00fchrer lediglich eine Haftstrafe von einem Jahr und der andere Angeklagte kam mit vier Monate davon. Von verschiedenen Seiten war den beiden ein gutes Zeugnis ausgestellt worden. Auch fanden die Ausf\u00fchrungen der Angeklagten vor Gericht glauben, das ihnen an der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit ihres Handelns im Nachhinein Zweifel gekommen seien. Als Beleg galt, dass sich ein solches Vorkommnis in Herzberg nicht wiederholte.<\/p>\n<p>Die Liste der Menschen, gegen die das NS-Regime in Herzberg vorging, ist lang. Dazu geh\u00f6rten die katholischen Pfarrer Friedrich Gr\u00fcn, Karl Laufk\u00f6ter und Josef Kitzinger, der Fabrikant Karl Osthushenrich, der Feilenhauer-Meister Wilhelm Reck, wie der Fleischermeister Karl Sch\u00fcnemann.<\/p>\n<p>J\u00fcdische Familien gab es nur sehr wenige in Herzberg; es existierte keine j\u00fcdische Gemeinde.<\/p>\n<p>Bekannt war der aus Polen stammende Benno Borzykowski, der eine Kunstseidenspinnerei in Herzberg gr\u00fcndete. Im Jahr 1930 war der General-Direktor Sch\u00fctzenk\u00f6nig. Die von ihm gestiftete Kleinodie befindet sich bis heute im Besitz des Vereins. Borzykowski meldete 1934 Konkurs an und wanderte 1938 in die USA aus.<\/p>\n<p>Die J\u00fcdin Johanna K. war mit einem Lokf\u00fchrer verheiratete. Vor die Wahl gestellt lie\u00df er sich scheiden. Sie kam in das KZ-Theresienstadt aus dem sie nach 22 Monaten entlassen wurde. Johanna K. verstarb nach 1945.<\/p>\n<p>Eine weitere j\u00fcdische Frau, die in Herzberg als K\u00fcchenhilfe arbeitete, schickte ihre Kinder in die USA, bevor sie ins KZ-Theresienstadt deportiert wurde. \u00dcber sie ist weiter nichts bekannt. Ebenso nicht \u00fcber die Familie Josef, die in der Sieberstra\u00dfe wohnte.<\/p>\n<p>Ausser den genannten, scheinen keine weiteren Juden in Herzberg gelebt zu haben.<\/p>\n<h3><strong>Vom Freiwilligen- zum Reichsarbeitsdienst<\/strong><\/h3>\n<p>In der Zeit der gro\u00dfen Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit von 1929 griff die Regierung Br\u00fcning die Forderung der Rechtsparteien nach einer Arbeitsdienstpflicht auf, indem sie den FAD (Freiwilligen Arbeitsdienst) ins Leben rief. Es entstand das gr\u00f6\u00dfte, \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Besch\u00e4ftigungsprogramme der Weimarer Republik.<\/p>\n<p>Artikel 1 der Ausf\u00fchrungsverordnung vom 3. August 1931 legten fest, dass der FAD nur f\u00fcr gemeinn\u00fctzige Arbeiten eingesetzt werden durfte. Tr\u00e4ger der Ma\u00dfnahmen konnten nur K\u00f6rperschaften des \u00f6ffentlichen Rechts und Vereinigungen oder Stiftungen sein, die gemeinn\u00fctzige Ziele verfolgten. Dazu z\u00e4hlten Jugendb\u00fcnde, Gewerkschaften, politische Parteien, konfessionelle Vereinigungen, Bewegungen aller Art.<\/p>\n<p>Die inhaltliche Zielsetzung des FAD war so unterschiedlich wie seine Betreiber. Von den Kirchen bis zu den Parteien aber auch Organisationen wie der Stahlhelm Bund der Frontsoldaten richteten Arbeitsdienstlager ein. In der Anfangsphase konnten nur junge M\u00e4nner zwischen 18 und 25 Jahren die F\u00f6rderung in Anspruch nehmen. Wobei die Arbeitsdauer auf maximal 20 Wochen beschr\u00e4nkt war, solange wurde die Arbeitslosenunterst\u00fctzung weitergezahlt. In der Regel lag die Besch\u00e4ftigungsdauer im FAD bei unter 10 Wochen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6838\" style=\"width: 1144px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6838\" class=\"size-full wp-image-6838\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web.jpg\" alt=\"\" width=\"1134\" height=\"1561\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web.jpg 1134w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-218x300.jpg 218w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-768x1057.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-1116x1536.jpg 1116w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-1090x1500.jpg 1090w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-497x684.jpg 497w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-516x710.jpg 516w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-512x705.jpg 512w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Not_Kreis_Osterode_web-930x1280.jpg 930w\" sizes=\"auto, (max-width: 1134px) 100vw, 1134px\" \/><p id=\"caption-attachment-6838\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Die wirtschaftliche Lage im Kreis Osterode wurde mit dem Jahr 1929 katastrophal. Quasi als Hilferuf gab der Kreisausschuss des Kreises Osterode im April 1930 die 42seitige Brosch\u00fcre \u201eNot im Kreis Osterode\u201c heraus, die den Niedergang in allen Einzelheiten dokumentierte.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Ab Mitte 1932 wurde der FAD auch f\u00fcr Frauen erm\u00f6glicht, so dass die Zahl der Freiwilligen bis Dezember 1932 auf mehr als 241.000 Personen stieg.<\/p>\n<p>F\u00fcr die NSDAP organisierte der ehemalige Reichswehroffizier Konstantin Hierl ab 1931 einen Arbeitsdienst. Auf diese Strukturen bauten die Nazis nach ihrem Machtantritt 1933 auf. Der FAD wurde nicht nur weitergef\u00fchrt sondern ausgebaut. Hintergrund war in der ersten Zeit, dass die Nazis ihre Macht sichern mussten. Zum einen taten sie dies durch Repression, zum anderen wollten sie die Bev\u00f6lkerung vor allem durch die Linderung der sozialen Not f\u00fcr sich gewinnen. Ein gro\u00dfes Versprechen war, die hohe Arbeitslosigkeit verschwinden zu lassen. Der Arbeitsdienst diente dabei als Instrument, mit dem f\u00fcr kurze Zeit Besch\u00e4ftigung geschaffen werden konnte. Auch halfen die Projekte, die sich auf den Aufbau der Infrastruktur konzentrierten, dem politischen Image. Bezeichnend f\u00fcr den Arbeitsdienst blieb, dass auf Handarbeit gesetzt wurde. Auf Maschinen, mit denen sich Erdarbeiten u.\u00e4. viel effektiver und schneller h\u00e4tten erledigen lassen, verzichtet man bewusst. Es ging eben darum Besch\u00e4ftigung zu schaffen und ideologische Beeinflussung im Sinne der Volksgemeinschaft zu erzielen.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt kein besseres Mittel, die soziale Zerkl\u00fcftung, den Klassenha\u00df und den Klassenhochmut zu \u00fcberwinden, als wenn der Sohn des Fabrikdirektors und der junge Fabrikarbeiter, der junge Akademiker und der Bauernknecht im gleichen Rock bei gleicher Kost den gleichen Dienst tun als Ehrendienst f\u00fcr das ihnen allen gemeinsame Volk und Vaterland,\u201c so Konstantin Hierl.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Der Nazi-Organisator wurde 1933 zun\u00e4chst zum Reichskommissar des Freiwilligen Arbeitsdienstes ernannt. Mit Einf\u00fchrung der Arbeitsdienstpflicht am 26. Juni 1935, \u00fcbernahm Konstantin Hierl dann als Reichsarbeitsf\u00fchrer den Reichsarbeitsdienst. Von nun an hatte jeder m\u00e4nnliche Deutsche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren 6 Monate im RAD-Dienst zu tun. Vom Lohn wurden maximal 0,50\u00a0RM t\u00e4glich ausgezahlt. Das entsprach ungef\u00e4hr einem unteren Hilfsarbeiterlohn. Das \u00fcbrige Geld wurde f\u00fcr Essen, Lagerunterkunft, Heizung, Bekleidung und Versicherungen einbehalten. Mit Kriegsbeginn fand eine Ausweitung der Arbeitsdienstpflicht auf Frauen statt. Ab September 1939 gab es Arbeitsm\u00e4nner und Arbeitsmaiden.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risch strukturiert diente der RAD und viele seiner Projekte der Kriegsvorbereitung. Ab 1944 wurde dem RAD die 6-w\u00f6chige milit\u00e4rische Grundausbildung \u00fcbertragen, um die Ausbildungszeit bei der Wehrmacht zu verk\u00fcrzen. Zum Ende des Krieges kam es sogar zur Aufstellung eigener RAD-Kampfgruppen.<\/p>\n<h3><strong>Machtergreifung mit dem Spaten<\/strong><\/h3>\n<p>In Herzberg stellte die Ortgruppe des Stahlhelm \u2013 Bund der Frontsoldaten im Dezember 1932 an die Stadtverwaltung den Antrag ein Arbeitsdienstlager f\u00fcr einen Freiwilligen Arbeitsdienst im Geb\u00e4ude des Vorwerks am Bahnhof Herzberg-Schlo\u00df, einzurichten. Daneben wurde ein Freiwilliger Arbeitsdienst f\u00fcr Frauen vom Evangelischen Frauenbund initiiert. Beides existierte unabh\u00e4ngig voneinander und lief nur aufgrund der staatlichen F\u00f6rderung unter der gleichen Bezeichnung.<\/p>\n<p>Die Planung und Genehmigung f\u00fcr das vom Stahlhelm angeregte Arbeitsdienststammlager fiel in die Zeit nach dem Machtantritt der Nazis. Unter ihrer Federf\u00fchrung kam das Projekt schnell zum Abschluss. Im Juli 1933 gab es eine Bauplatzbesichtigung am alten Schafstall, der f\u00fcr das Bauvorhaben teilweise abgerissen werden musste, im August war Baubeginn. Es entstand ein 60 Meter langes und 11,5 Meter breites, zweigeschossiges Fachwerkgeb\u00e4ude mit Holzverschalung, das \u201eeine Unterbringung der Arbeitsdienstwilligen getrennt vom Wohnort gestattet\u201c, wie es der Erlass des Reichskommissars vom 3. September 1932 vorsah. Das Herzberger Lager bot f\u00fcr 250 Arbeitsdienstm\u00e4nner Unterkunft. Ausgestattet mit Einzelstuben f\u00fcr das F\u00fchrungspersonal, einem gro\u00dfen Unterrichtsraum, Wasch- und Duschr\u00e4umen, Sanit\u00e4tsr\u00e4umen, einer komplett eingerichteten K\u00fcche, Vorratsr\u00e4umen und einem gro\u00dfen Exerzierplatz.<\/p>\n<p>Unter flatternden Hakenkreuzfahnen fand im November 1933 das Richtfest statt. Die genaue Bezeichnung lautete: Arbeitsdienst der NSDAP, Arbeitsgau 18 Niedersachsen-Ost, Stammlager Nr. 7 Herzberg (Harz). Am 4. M\u00e4rz 1934 wurde die Einrichtung offiziell an den Arbeitsdienst Gau 186\/7 \u00fcbergeben.<\/p>\n<div id=\"attachment_6829\" style=\"width: 1277px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6829\" class=\"size-full wp-image-6829\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau.jpg\" alt=\"\" width=\"1267\" height=\"837\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau.jpg 1267w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau-300x198.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau-768x507.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau-845x558.jpg 845w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau-710x469.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD_Lonau-705x466.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1267px) 100vw, 1267px\" \/><p id=\"caption-attachment-6829\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Das Foto aus dem Jahr 1933 zeigt eine Gruppe des Freiwilligen Arbeitsdienstes in Lonau. Der Arbeitsdienst war hier u.a. bei Erdarbeiten beim Bau des Freibades und beim Wegebau eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war der Dienst noch freiwillig. Es meldeten sich Nazis und ihnen nahestehenden Personen. Auf dem Foto sind also Lonauer Nazis versammelt.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Allein durch das Stammlager war der nationalsozialistische Arbeitsdienst in den ersten Jahren des NS-Regimes in Herzberg eine sehr pr\u00e4sente Erscheinung. Bereits vor Einrichtung des Lagers existierten zwei kleinere in Gieboldehausen und Lonau. In Lonau stellten 80 Mann, die Herzberg unterstanden, 1933 das Schwimmbad fertig. Wegebau oder Verbesserung der Uferbefestigung, wie am Juessee, geh\u00f6rten zu den typischen Aufgaben der Arbeitsm\u00e4nner.<\/p>\n<p>Manch alter Nazi und viele schlichte Gem\u00fcter meinten noch lange Zeit nach dem II. Weltkrieg, einen Spaten in die Hand zu nehmen h\u00e4tte nicht geschadet. Vieles sei geschaffen worden, nicht zuletzt die Autobahn \u2013 und vor allem h\u00e4tte es eine gro\u00dfartige Kameradschaft gegeben. Das Regimegegner und Juden davon ausgeschlossen waren und der Drill zur arischen Volkgemeinschaft erfolgte fiel bei dieser Betrachtung einfach unter den Tisch.<\/p>\n<p>Noch bis in die 1980er Jahre fanden Treffen ehemaliger RAD-Angeh\u00f6riger statt \u00fcber die in der lokalen Presse wie \u00fcber eine Kaffeefahrt berichtet wurde. Kein Wort fand sich dar\u00fcber, das der RAD eine Nazi-Organisation gewesen war.<\/p>\n<div id=\"attachment_6855\" style=\"width: 1144px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6855\" class=\"size-full wp-image-6855\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web.jpg\" alt=\"\" width=\"1134\" height=\"670\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web.jpg 1134w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web-300x177.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web-768x454.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web-845x499.jpg 845w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web-710x419.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Harzkurier_22_10_1978web-705x417.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1134px) 100vw, 1134px\" \/><p id=\"caption-attachment-6855\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Ohne Hintergrundinformation oder kritische Einordnung berichtete der Harzkurier 1978 vom j\u00e4hrlichen Treffen ehemaliger RAD-Angeh\u00f6riger.<\/span><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber den Freiwilligen Arbeitsdienst gelang es der NS-F\u00fchrung bis Ende 1933 rund 45 Prozent der Arbeitslosen im Kreis Osterode mit Notstandsarbeiten zu besch\u00e4ftigen. Die Zahl der Wohlfahrtempf\u00e4nger ging demensprechend zur\u00fcck. Ab 1934 schafften Gro\u00dfprojekte wie die in ihrer Zeit gr\u00f6\u00dfte Fernwasserleitung der Welt, die von der S\u00f6setalsperre nach Bremen und Hildesheim f\u00fchrte, weitere Entlastung. Wobei die Zeitung so unverbl\u00fcmt wie stolz verk\u00fcndete \u201eDabei mag noch erw\u00e4hnt sein, da\u00df bei den umfangreichen Ausschachtungen auf alle Maschinen verzichtet werden soll, damit um so mehr Menschen Besch\u00e4ftigung gegeben werden kann. Der Arbeitsbeschaffungsgedanke des F\u00fchrers Adolf Hitler erf\u00e4hrt also durch die Fernwasserleitung der Harzwasserwerke eine F\u00f6rderung, wie sie zweckentsprechender und nachhaltiger nicht gedacht werden kann.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich waren diese Projekte bereits vor der Nazi-Zeit \u00fcberlegt und teilweise verwirklicht worden. Wie der Bau der Odertal- und S\u00f6setalsperre. Die Nazis reklamierten die Erfolge nun f\u00fcr sich und ersetzten die Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahmen \u2013 und f\u00fchrten den Drill mit dem Spaten ein. Doch lie\u00dfen sich mit dem Arbeitsdienst nur kurzfristige Effekte erzielen. Langfristig musste eine neues Wirtschaftsprogramm greifen, das vom NS-Staat ab 1935 zielstrebig verfolgt wurde. Das Programm lautete Aufr\u00fcstung und Kriegsvorbereitung. \u00dcberall entstanden R\u00fcstungsunternehmen. Wehrmacht, Luftwaffe und Marine wurden binnen kurzer Zeit vergr\u00f6\u00dfert und modernisiert. Die Zeit, in welcher der Arbeitsdienst f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung von Arbeitslosen sorgte, um den Nazi-Staat zu best\u00e4tigen, war bald vor\u00fcber. Neben der nationalsozialistischen Erziehung, r\u00fcckten f\u00fcr den RAD vor allem prestigetr\u00e4chtige Gro\u00dfprojekte wie der Autobahnbau in den Vordergrund.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Arbeitsdienststammlager in Herzberg kam damit das aus. Keine vier Jahre nach seiner Inbetriebnahme gab der RAD das Lager am 31. Mai 1937 auf. Versuche des Herzberg Nazi-B\u00fcrgermeisters Henry Steinb\u00f6mer das Geb\u00e4ude der SS als Kaserne anzubieten, scheiterten.<\/p>\n<p>Seine zweite gro\u00dfe Nutzung erfuhr es im II. Weltkrieg, als sogenanntes Gemeinschaftslager der Herzberge Munitionsfabrik. Diese Bezeichnung war nichts weiter als eine Umschreibung f\u00fcr das Zwangsarbeiterlager \u201eSchlo\u00df\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_6835\" style=\"width: 1093px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6835\" class=\"size-full wp-image-6835\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann.jpg\" alt=\"\" width=\"1083\" height=\"1658\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann.jpg 1083w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-196x300.jpg 196w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-768x1176.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-1003x1536.jpg 1003w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-980x1500.jpg 980w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-447x684.jpg 447w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-464x710.jpg 464w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-461x705.jpg 461w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/RAD-Mann-836x1280.jpg 836w\" sizes=\"auto, (max-width: 1083px) 100vw, 1083px\" \/><p id=\"caption-attachment-6835\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">RAD-Mann in der Anfang 1934 eingef\u00fchrten Uniform. Oberhalb der Hakenkreuzarmbinde die \u00c4rmelspaten genannte Dienststellenbezeichnung. Hier 183\/7, Arbeitsgau Braunschweig.<\/span><\/p><\/div>\n<h3><strong>Zwangsarbeit<\/strong><\/h3>\n<p>Mit Beginn des II. Weltkrieges wurde in Herzberg, wie im gesamten Deutschen Reich, die industrielle Fertigung auf R\u00fcstungsproduktion umgestellt. Nachdem immer mehr M\u00e4nner eingezogen wurden, drohten die Arbeitskr\u00e4fte auszugehen. So griff das NS-Regime ab 1942 verst\u00e4rkt auf Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zur\u00fcck, um das \u00f6ffentliche Leben aufrecht zu erhalten und die Produktion zu gew\u00e4hrleisten bzw. zu steigern.<\/p>\n<p>Eingesetzt wurden Kriegsgefangene, sogenannte Fremdarbeiter und KZ-H\u00e4ftlinge. Wobei sich diese drei Kategorien noch einmal unterteilten, wie etwa in Fremdarbeiter \u201eOst\u201c und \u201eWest\u201c. Entsprechend unterschied sich der Status. Menschen aus der Sowjetunion (im NS-Jargon sogenannte Ostarbeiter) und aus Polen waren durch Sondererlasse der Willk\u00fcr der Gestapo und anderer polizeilicher Dienststellen ausgeliefert. Sie mussten entsprechende Kennzeichen (\u201eOST\u201c, \u201eP\u201c) auf der Brust tragen durften ihre Lager oft nur zur Arbeit verlassen. Ertr\u00e4glicher, aber dennoch entbehrungsreich und dem\u00fctigend, war das Leben f\u00fcr westeurop\u00e4ische, der \u201enordischen Rasse\u201c zugerechnete Facharbeiter und Ingenieure.<\/p>\n<p>Fremdarbeiter waren zwar zum gr\u00f6\u00dften Teil zwangsverpflichtet, galten aber nicht als Gefangene, es gab daher auch Lager, die nicht mit Stacheldraht umz\u00e4unt und von Wachmannschaften kontrolliert waren. Bei Kriegsgefangen- und KZ-Lagern war dies immer der Fall.<\/p>\n<p>Zwangsarbeit war allgegenw\u00e4rtig. In gro\u00dfen und kleinen Betrieben, in der Forstwirtschaft, beim Wege- und Stra\u00dfenbau, wie in der Landwirtschaft und selbst in privaten Haushalten. Insbesondere schufteten die Arbeiter und Arbeiterinnen in der R\u00fcstungsindustrie.<\/p>\n<p>In Herzberg zum Beispiel bei der Eisen- und Stahlgie\u00dferei Plei\u00dfner, wo Granaten f\u00fcr schwere Flak und PAK hergestellt wurden sowie Nebelwerfer und Kettenantriebsgeh\u00e4use f\u00fcr den Panzerkampfwagen VI Tiger. Am 1. Februar 1944 verf\u00fcgte Plei\u00dfner \u00fcber eine Gesamtbelegschaft von 802 Personen. Fast 300 davon waren Kriegsgefangene, die im<\/p>\n<p>Lager <em>Wiese<\/em> im Bereich Kornstra\u00dfe und Lager <em>Heidebrunnen<\/em> untergebracht waren.<\/p>\n<p>Kriegsgefangenlager gab es auch in anderen Bereichen der Stadt, wie am Langfast wo zwei Lager existierten. Eins f\u00fcr etwa 90 sowjetische Gefangene und ein zweites f\u00fcr 45 polnische Kriegsgefangene. W\u00e4hrend die sowjetischen Gefangen in der Forstarbeit eingesetzt waren, arbeiteten die Polen in der Papierfabrik und dem S\u00e4gewerk Fritz Homann AG.<\/p>\n<h3><strong>Sprengstoffwerk der DAG<\/strong><\/h3>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte R\u00fcstungsunternehmen in Herzberg entstand w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges. Standort war am Pfingstanger, dort wo sich einst die Gewehrfabrik befand. Im Anschluss an die Gewehrproduktion siedelte sich hier eine\u00a0Baumwollbleicherei an, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs brach lag. Das \u00e4nderte sich, als der\u00a0j\u00fcdische Unternehmer Benno Borzykowski das Areal mit den leerstehenden Geb\u00e4uden im Jahre 1919 kaufte und dort eine Spinnerei f\u00fcr Kunstseide einrichtete.<\/p>\n<p>In den ersten Jahren zeichnete sich eine erfolgreiche Unternehmerstrategie ab, dann aber kam es 1927 zu einer Erweiterung der Papierfabrik. Die Einleitung s\u00e4urehaltiger Abw\u00e4sser in die Sieber und den M\u00fchlengraben erh\u00f6hte sich erheblich. Das Wasser war derart verschmutzt, dass es nicht mehr zum F\u00e4rben der Seide genutzt werden konnte. Borzykowski stellte seine Produktion zun\u00e4chst f\u00fcr einige Monate ein und f\u00fchrte Beschwerde, die aber erfolglos blieb. Die Beh\u00f6rden gingen nicht gegen die Papierfabrik vor. Borzykowski lie\u00df Kl\u00e4rteiche bauen und einen Brunnen zur Ersatzwasserbeschaffung bohren. Doch brachten die Ma\u00dfnahmen keinen Erfolg, die Produktion konnte nicht wieder aufgenommen werden. Am 27. Februar 1934 ging die Borvisk-Kunstseiden AG in Konkurs. Das Fabrikgel\u00e4nde versuchte Borzykowski noch 1937 an einen ausl\u00e4ndischen Investor zu verkaufen, bekam daf\u00fcr aber keine Genehmigung vom Reichswirtschaftsministerium. Stattdessen wurde die Borvisk-Kunstseiden AG vollst\u00e4ndig abgewickelt. Liquidatoren waren der Rechtsanwalt Dr. Weber aus Bad Lauterberg und Fritz Hessinger der ab 1942 das Sprengstoffwerkes der DAG in Herzberg leitete.<\/p>\n<p>Die reichseigene Verwertungsgesellschaft f\u00fcr Montanindustrie (Montan) kaufte n\u00e4mlich aus der Konkursmasse im Juni 1940 das Werksgel\u00e4nde. Nach einj\u00e4hriger Umbauzeit entstand eine Munitionsfabrik mit F\u00fcllstelle, die von der Montan an die \u201eFabrik Herzberg der GmbH zur Verwertung chemischer Erzeugnisse\u201c verpachtet wurde. Das Werk, mit dem Tarnnamen \u201eKiefer\u201c, war ein Tochterunternehmen der Dynamit Nobel AG mit Hauptsitz in Troisdorf.<\/p>\n<p>Ab Sommer 1941 begann die Bef\u00fcllung von 50-kg-Bomben mit dem Fertigungskennzeichen \u201ehzb\u201c, im Herbst wurde auf 250-kg-Bomben umgestellt. Dann stellte die DAG Ende 1943 die Produktion von Bomben fast ganz ein. Stattdessen wurden t\u00e4glich bis zu 6.000 Tellerminen in Herzberg fertig gestellt. Der Sprengstoff wurde vom Schwesterwerk in Hessisch-Lichtenau in Kesselwaggons per Bahn angeliefert.<\/p>\n<p>Die Zahl der Arbeiterinnen und Arbeiter in der Munitionsfabrik stieg von 650 im Jahr 1942 bis auf 360 deutsche und 525 ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte am 31.12.1944.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Jede_r Besch\u00e4ftigte hatte einen Werksausweis, den er beim Betreten des Werkes vorzuzeigen hatte. Der Werkschutz f\u00fchrte ein hartes Regiment und machte dem Direktor t\u00e4glich Meldung. Mehrmaliges versp\u00e4ten oder gar unentschuldigtes Fernbleiben f\u00fchrten zur \u00dcberstellung ins Arbeitserziehungslager Liebenau bei Nienburg an der Weser. Das Lager unterstand der Gestapo. H\u00e4ftlinge mussten hier schwerste k\u00f6rperliche Arbeit beim Bau einer Pulverfabrik verrichten. Nach der Aufl\u00f6sung des Lagers im Mai 1943 kamen die H\u00e4ftlinge in das neue Arbeitserziehungslager Lahde bei Minden.<\/p>\n<p>Wer die Munitionsfabrik in Herzberg verlies wurde kontrolliert. Es gab einen Metalldetektor, wenn dieser Anschlug erfolgte eine Leibesvisitation. Wer versuchte auch nur das Geringste aus dem Werk zu schmuggeln und dabei erwischt wurde verschwand auf nimmer wiedersehen.<\/p>\n<p>Das Bef\u00fcllen war keine k\u00f6rperlich schwere Arbeit, aber sie war gesundheitsgef\u00e4hrdend. \u00dcber die Haut und Atmung gelangten giftige Chemikalien in den K\u00f6rper. Bei der Minen Bef\u00fcllung fehlten Absauganlagen, hier war der Krankenstand besonders hoch. Es kam zu schweren Vergiftungen, mit zum Teil t\u00f6dlichem Ausgang. Um den Kontakt mit den Chemikalien zu minimieren, lag die Arbeitszeit bei 8-Stunden und nur selten, bei den in der R\u00fcstungsindustrie sonst oft praktizierten, 12 Stunden. Wer in den Abteilungen arbeitete, die mit TNT zu tun hatten, wurde w\u00f6chentlich vom Werksarzt untersucht. F\u00fcr diese \u201evorbildlich Gesundheitsvorsorge\u201c wurde die Herzberger Munitionsfabrik 1943 als NS-Musterbetrieb ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Im Werk arbeiteten viele polnische Fremdarbeiter und -arbeiterinnen, die ein wei\u00dfes \u201eP\u201c auf der Kleidung tragen mussten. Im Bereich des heutigen Kastanienplatzes existierte das umz\u00e4unte Lager \u201eAue\u201c f\u00fcr diese etwa 350 Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen. Das Lager durfte nicht verlassen werden. T\u00e4glich eskortierten Wachen die Arbeitskolonne in das DAG Sprengstoffwerk.<\/p>\n<p>Das ehemaligen RAD-Stammlager am Pfingstanger war mit West-Arbeitern belegt. Zu diesem \u201eGemeinschaftslager der Fabrik Herzberg\u201c kurz Lager \u201eSchloss\u201c genannt, geh\u00f6rten sechs Wohnbaracken, ein massives Steingeb\u00e4ude sowie eine Wasch- und Latrinenbaracke. Neben der deutschen Belegschaft waren hier 45 Fremdarbeiter aus Frankreich und 50 Holl\u00e4nder, allesamt Studenten, untergebracht. Im Gegensatz zum Lager \u201eAue\u201c gab es hier keinen Zaun. Die Zwangsarbeiter konnten sich frei bewegen und durften das Lagergel\u00e4nde verlassen. Es gab sogar ein Fu\u00dfballspiel zwischen Holl\u00e4nder und Franzosen auf dem Eichholzsportplatz. Auch wenn das \u00e4u\u00dferlich entspannter wirkte, konnte das nicht \u00fcber die grunds\u00e4tzliche Situation hinwegt\u00e4uschen. Ob aus dem Westen oder Osten, alle Arbeiterinnen und Arbeiter unterlagen dem gleichen harten Arbeitszwang.<\/p>\n<p>Laut der offiziellen Liste des Volksbund Deutsche Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge e. V. \u00a0kamen in Herzberg allein zwischen 1944 und 1945 insgesamt 41 Zwangsarbeiter ums Leben. Todesursachen waren zumeist Krankheiten und Unf\u00e4lle. Es gab aber auch zwei Selbstmorde und Schussverletzungen.<\/p>\n<h3><strong>Bombenkrieg<\/strong><\/h3>\n<p>Bereits am 4. September 1940 kam es zu zwei Bombenangriffen der RAF (Royal Air Force) auf Herzberg. Ziel der ersten Bombenabw\u00fcrfe war das S\u00e4gewerk Fritz Homann AG. Mehre Stabbrandbomben gingen nieder, dem schnell eingreifende Werkschutz gelang es den Brand zu l\u00f6schen bevor gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den entstanden.<\/p>\n<p>Der zweite Angriff galt der sich noch im Bau befindliche Munitionsfabrik der DAG unterhalb des Schlossberges. Spreng- und Brandbomben fielen auf das Werksgel\u00e4nde und das Eichholz. Es gab aber nur unwesentlichen Materialschaden.<\/p>\n<p>Wohl im selben Monat richtete die Luftwaffe auf dem Schlossberg einen Beobachtungsturm ein. An der Wegekreuzung Am Weinberg\/Am Phillips entstand, zwischen den B\u00e4umen versteckt, ein 25 Meter hoher, h\u00f6lzerner Beobachtungsturm. Eine Telefonleitung f\u00fchrte vom Wachthaus am Fu\u00df des Turmes direkt in den Keller des Rathauses, von wo Luftalarm ausgel\u00f6st werden konnte.<\/p>\n<p>Das m\u00e4nnliche Personal wurde ab 1943 weitgehend durch Wehrmachtshelferinnen, allgemein auch als Blitzm\u00e4dchen bezeichnet, ersetzt. Bereits seit Beginn des Krieges traten auch Frauen in den Dienst von Wehrmacht, Marine, Luftwaffe und Waffen-SS. Zun\u00e4chst waren das ausschlie\u00dflich Freiwillige. Auch sp\u00e4ter rekrutierten sich Wehrmachtshelferinnen zu mehr als der H\u00e4lfte aus Freiwilligen. Die \u00fcbrigen waren Kriegshilfsdienstpflichtige. Am 29. Juli 1941 hatte Hitler mit dem Erlass \u00fcber den \u201eReichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend\u201c bestimmt, dass Frauen zus\u00e4tzlich zum halben Jahr Reichsarbeitsdienst ein weiteres halbes Jahr Kriegshilfsdienst zu leisten hatten. Wehrmachtshelferinnen galten als Behelfspersonal, arbeiteten in der Verwaltung und zur Nachrichten\u00fcbermittlung. Sie wurden weder an Waffen ausgebildet noch in Kampfeins\u00e4tze geschickt. Auch die Frauen, die im Laufe des Krieges immer \u00f6fter als Flakhelferinnen Dienst taten, bedienten lediglich Horchger\u00e4te und Scheinwerfer. Erst 1945 erlaubte die Wehrmacht den Frauen Handfeuerwaffen zur Selbstverteidigung.<\/p>\n<p>Die mehr als eine halbe Millionen Helferinnen stellten eine wesentliche Verst\u00e4rkung der NS-Kriegsmaschinerie dar. Leicht abwertend wurden sie auch Blitzm\u00e4dchen genannt. Die Bezeichnung leitete sich vom Symbol der Nachrichtentruppe ab, dass die Frauen auf ihrer Uniform trugen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6837\" style=\"width: 685px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6837\" class=\"size-full wp-image-6837\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview.jpg\" alt=\"\" width=\"675\" height=\"985\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview.jpg 675w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview-206x300.jpg 206w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview-469x684.jpg 469w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview-487x710.jpg 487w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/hilf_siegen_als_luftnachrichtenhelferin_by_tukatze_d9vzcn5-fullview-483x705.jpg 483w\" sizes=\"auto, (max-width: 675px) 100vw, 675px\" \/><p id=\"caption-attachment-6837\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Werbeplakat f\u00fcr Luftwaffenhelferinnen, Mindestalter war 17 Jahre.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Im Jahr 1995 erinnerte sich eine ehemalige Luftwaffenhelferin, die sich 1942 mit 17 Jahren freiwillig f\u00fcr die Luftwaffe gemeldet hatte und in Halle\/Saale ausgebildet wurde. Die Sonderausbildung umfasste allgemeine Flug\u00fcberwachung, Flugzeugerkennung, das Meldewesen, Wetterkunde, u.a. Nach Abschluss der Ausbildung kam sie im August 1943 nach Herzberg.<\/p>\n<p>Die jungen Frauen waren im Obergescho\u00df des westn\u00f6rdlichen Schlossgeb\u00e4udes, Sieberfl\u00fcgel genannt, untergebracht. Schlafsaal, Aufenthaltsraum, Waschraum und Toiletten waren eingerichtet. Im Torhaus gab eine K\u00fcche zur Verpflegung der Luftwaffenhelferinnen.<\/p>\n<p>Der Wach- und Beobachtungsdienst auf dem Schlossberg (Elsenblick) wurde rund um die Uhr gef\u00fchrt. Stets war der Beobachtungsturm mit vier Luftwaffenhelferinnen besetzt, zwei im Ausguck und zwei in Bereitschaft, dazu jeweils ein Wachf\u00fchrer, der 12 Stunden Dienst verrichtete. Die Beobachtungen aus der Luft\u00fcberwachung leitete der jeweilige Wachf\u00fchrer an die Leitstelle in Nordhausen weiter.<\/p>\n<p>Den schlimmsten Bombenangriff auf Herzberg beobachtete man am 22. Februar 1944 vom Schlossberg aus. Gegen 13 Uhr wurde in 5.000 Meter H\u00f6he ein Verband von 45 Maschinen der USAF (U.S. Air Force) ausgemacht und um 13:17 Uhr \u00f6ffentliche Luftwarnung gegeben. Nachdem sich abzeichnete, dass die Stadt \u00fcberflogen werden k\u00f6nnte, erfolgte 13:43 Uhr Luftalarm. Zu dieser Zeit griffen deutsche Jagdflugzeuge den Verband an. Ein letztes Aufb\u00e4umen im Luftkrieg, denn die Angriffe der viermotorigen \u201eFliegenden Festungen\u201c vom Typ Boeing B17 und B24 stie\u00dfen bereits nicht mehr auf nennenswerte Gegenwehr der Flugabwehr oder deutscher Jagdflugzeuge. Ab M\u00e4rz 1944 hatten die Alliierten die uneingeschr\u00e4nkte Luftherrschaft \u00fcber Deutschland.<\/p>\n<p>Aber ein Bomber aus dem US-Verband wurde angeschossen und musste seine Bomben im Notabwurf loswerden. Er warf sie aber nicht irgendwo in die Landschaft, sondern machte Herzberg als Ziel aus. Es war reiner Zufall. Um 13:55 Uhr \u00f6ffneten sich die Bombensch\u00e4chte und 12 Bomben von jeweils 250 Kilo fielen auf die Stadt. Genauer in die Wohnh\u00e4user der Hauptstra\u00dfe. Die Vorwarnzeit f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung war viel zu kurz, um Schutzr\u00e4ume zu erreichen und die Wirkung verheerend. Dazu eine Luftwaffenhelferin: \u201eEin Bombenflugzeug scherte pl\u00f6tzlich aus einem gro\u00dfen Bomberpulk aus und lie\u00df die Bombenladung auf Herzberg fallen. Die Bomben explodierten mitten in der Stadt.\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/p>\n<p>19 Einwohner starben, 16 waren schwer verletzt. Drei H\u00e4user lagen vollst\u00e4ndig in Tr\u00fcmmern, f\u00fcnf wiesen schwere Besch\u00e4digungen auf und etliche leichtere Sch\u00e4den. Der US-Bomber musste wenig sp\u00e4ter bei G\u00f6ttingen notlanden.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle \u201eGefallenen des Terrorangriffs\u201c, wie es die Nazis nannten, wurde am 24. Februar eine gemeinsame, gro\u00dfe Beisetzung inszeniert. Der Kreisleiter der NSDAP rief dazu auf und angef\u00fchrt von der SA marschierte ein gro\u00dfer Demonstrationszug durch die Stadt zum Friedhof. Dort gab es heroische Reden der lokalen Nazi-Prominenz an den offenen Gr\u00e4bern. F\u00fcr Herzberg war die Bombardierung ein einschneidendes Ereignis und im gesamten Reichsgebiet hatte es bereits viele St\u00e4dte schwer getroffen. Doch der bereits verlorene Krieg sollte noch mehr als ein Jahr weitergehen und auch in Herzberg Opfer fordern.<\/p>\n<div id=\"attachment_6853\" style=\"width: 1144px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6853\" class=\"size-full wp-image-6853\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_.jpg\" alt=\"\" width=\"1134\" height=\"826\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_.jpg 1134w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_-300x219.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_-768x559.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_-845x615.jpg 845w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_-710x517.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Blitzmaedel_Hzb.web_-705x514.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1134px) 100vw, 1134px\" \/><p id=\"caption-attachment-6853\" class=\"wp-caption-text\"><br \/><span style=\"color: #ff9900;\">Luftwaffenhelferinnen im Hof des Herzberger Schlosses.<\/span><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><strong>Die Explosion der Munitionsfabrik<\/strong><\/h3>\n<p>Am 4. April 1945 ereignete sich das schlimmste Explosionsungl\u00fcck in der Geschichte Herzbergs, \u00fcber dessen Ursache nach dem Krieg intensiv gestritten wurde.\u00a0Die Firmenleitung gab an, dass Ungl\u00fcck sei die Folge einer Bombardierung durch ein alliiertes Flugzeug gewesen. Denselben Schluss legte ein Ermittlungsbericht der Staatsanwaltschaft G\u00f6ttingen im Jahr 1948 nahe und auch die RAF h\u00e4tte die Explosion gern f\u00fcr sich verbucht.<\/p>\n<p>Dem widersprachen f\u00fchrende Mitarbeiter des Werkes. F\u00fcr sie lag der Grund bei den neuartigen Sprengstoffgemischen, die wegen des Rohstoffmangels eingef\u00fchrt werden mussten. Zwei Fremdarbeiter des Werkes sagten aus, das nach dem \u00d6ffnen von Ventilen Stichflamme hochschlugen, es zu kleineren Explosionen f\u00fchrten und sich daraufhin ein Brand ausgebreitet. Weitere Explosionen richteten zwar keine gr\u00f6\u00dferen Zerst\u00f6rungen an, aber brennende Sprengstoffklumpen flogen auf das Dach der Versandhalle in der 8.000 Tellerminen lagerten. Durch die Hitze detonierten die Minen mit der Kraft von 40.000 Kilogramm Sprengstoff. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden befanden sich die Sprengstoffbunker weit auf dem Werksgel\u00e4nde zerstreut und blieben unversehrt. Dort lagerten weitere 200 bis 300 Tonnen Sprengstoff, die im Fall ihrer Explosion ein noch gr\u00f6\u00dferes Inferno verursacht h\u00e4tten. Zu den gl\u00fccklichen Umst\u00e4nden z\u00e4hlte wohl auch, dass die Br\u00e4nde kurz vor 5 Uhr ausbrachen und sich die gro\u00dfe Explosion gegen 6 Uhr ereignete.<\/p>\n<p>29 Personen kamen ums Leben, etliche wurden schwer verletzt. Im Stadtgebiet zersprangen fast alle Fenster, Tr\u00fcmmer und Dachziegeln prasselten auf die Stra\u00dfen, es bot sich ein Bild der Verw\u00fcstung. Die Druckwelle war so stark, dass selbst noch im vier Kilometer entfernten Lonau Fenster zu Bruch gingen und T\u00fcren eingedr\u00fcckt wurden. Besonders heftig waren die Zerst\u00f6rungen der Sprengstofffabrik, die Produktion konnte nicht mehr aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Auch die Luftwaffenhelferinnen im Schloss oberhalb des DAG-R\u00fcstungswerkes \u00fcberraschte die schwere Explosion am Morgen. Fenster und T\u00fcren flogen aus den Angeln, das Dach auf der Sieberseite war vollst\u00e4ndig abgedeckt. Herumfliegende Tr\u00fcmmer verletzten eine Luftwaffenhelferin am Kopf. Die Frauen fl\u00fcchteten durch einen gewaltigen Staub- und Aschewirbel aus dem Schloss.<\/p>\n<p>Bereits am Vortag hatte Nordhausen ein Gro\u00dfangriff der britischen Royal Air Force getroffen. Am 4. April folgte ein zweiter schwerer Luftangriff und legte die Stadt vollst\u00e4ndig in Schutt und Asche. Die Luftwaffen-Leitstelle Nordhausen war vernichtet deshalb wurde die Flugwache in Herzberg aufgegeben.<\/p>\n<p>Die Tr\u00fcmmer in Herzberg waren nicht ger\u00e4umt, da erfolgte ein schwerer Luftangriff auf die Stadt. Ziel der B-17-Bomber der U.S. Air Force war am 6. April das Fabrikgel\u00e4nde von Plei\u00dfner und der Bahnhof. Dort standen 12 Waggons mit Panzerf\u00e4usten und 80.000 Schuss Flak-Munition, die in die Luft gingen. Die Zerst\u00f6rungen waren immens.<\/p>\n<p>Der Himmel geh\u00f6rte den Alliierten. An der Reichsstra\u00dfe, heute Bundesstra\u00dfe, zwischen Herzberg und Osterode wurde eine Kraftwagenkolonne von zehn Jagdflugzeugen angegriffen und zusammengeschossen. Jeden Tag kreisten Flugzeuge \u00fcber Herzberg, die Geb\u00e4ude mit Bordwaffen in Brand schossen. Es war schwierig die Br\u00e4nde einzud\u00e4mmen, denn die Feuerwehr verf\u00fcgte durch die Zerst\u00f6rung der DAG nicht mehr \u00fcber einsatzbereite Ausr\u00fcstung.<\/p>\n<h3><strong>A<\/strong><strong>ngriffsziel Herzberg<\/strong><\/h3>\n<p>Gro\u00dfe Verteidigungsbem\u00fchungen scheint es im April 1945 in dem bereits vom Krieg gezeichneten Herzberg nicht gegeben zu haben. Auf Anordnung des, namentlich nicht bekannten, Kampfkommandanten wurden lediglich drei Stra\u00dfensperren angelegt und die Sieberbr\u00fccke zur Sprengung vorbereitet.<\/p>\n<p>Einige Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner zogen sich auch durch Herzberg immer mehr Wehrmachtseinheiten in den Harz zur\u00fcck. Demoralisiert hofften viele, dass der Krieg endlich zu Ende ginge, doch kaum jemand handelte entsprechend. Man nahm sein Schicksal hin, machte weiter, gehorchte Befehlen.<\/p>\n<p>In der Stadt fielen Strom und Gas aus, f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung wurde die Situation immer unertr\u00e4glicher. Zudem verbreiteten die Anr\u00fcckenden US-Truppen Unruhe und Nervosit\u00e4t. Etliche Menschen packten das Notwendigste zusammen, um in die W\u00e4lder oder umliegenden D\u00f6rfer zu fl\u00fcchten. Als am 9. April 1945 um 17 Uhr in Herzberg Feindalarm ausgel\u00f6st wurde, gab das f\u00fcr viele das Signal f\u00fcr den Aufbruch.<\/p>\n<p>Um 19 Uhr meldeten Beobachtungsposten im Verst\u00e4rkeramt auf dem Philipps, die Sichtung amerikanischer Panzer am Auekrug. Der gro\u00dfe Gasthof in der Oderaue, einsam an der Reichsstra\u00dfe 27 gelegen, befindet sich nur f\u00fcnf Kilometer von Herzberg entfernt. Daraufhin wurde die Sieberbr\u00fccke gesprengt, doch dauerte es noch 24 Stunden, bis sich in der Stadt von Mund zu Mund verbreitete: \u201eDie Amerikaner kommen!\u201c.<\/p>\n<p>Vorerst blieb der amerikanische Hauptsto\u00df \u00fcber den Auekrug aufgehalten. Denn s\u00fcdlich von Osterode versuchte die Wehrmacht hinter dem Gebirgszug des Rotenbergs an der Oder eine Verteidigungslinie zu improvisieren. Der Rotenberg ist ein H\u00f6henzug von etwa 14 Kilometer L\u00e4nge und bis zwei\u00a0Kilometer breite. Auf der n\u00f6rdlichen Flussseite finden sich die Orte Wulften, Hattorf und das Geh\u00f6ft\/Gasthof Auekrug. P\u00f6hlde liegt s\u00fcdwestlich auf der s\u00fcdlichen Seite. Von P\u00f6hlde bis Wulften trennt der Rotenberg das Eichsfeld fast in gerader Linie vom Harzvorland. Dort f\u00e4llt der H\u00f6henzug nach Nordosten steil zum P\u00f6hlder Becken ab, einer einige Kilometer breiten, flachen Landschaft, in der, von Auengel\u00e4nde umgeben, die Oder flie\u00dft.<\/p>\n<p>Um diese nat\u00fcrliche Panzersperre zu \u00fcberwinden, setzte die US-Army ihren Angriff an drei Stellen an. An den Flanken bei Wulften und P\u00f6hlde und in der Mitte \u00fcber den Auekrug. Hier verlief die R27, heute die die B27, direkt von Gieboldehausen nach Herzberg; wobei der damalige Stra\u00dfenverlauf in Serpentinen \u00fcber den Rotenberg f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Auf deutscher Seite verf\u00fcgte man allerdings \u00fcber keine vollwertigen Kampfverb\u00e4nde und \u00fcberhaupt keine Luftwaffe mehr. Zur Verf\u00fcgung stand lediglich die in R\u00fcckzugsk\u00e4mpfen stark dezimierte und nur noch dem Namen nach existierenden 326. Volksgrenadier-Division.<\/p>\n<p>Volksgrenadier-Divisionen (VGK) waren Infanterie-Divisionen, die nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 aufgestellt wurden. Nach dem Attentat ernannte Hitler den Reichsf\u00fchrer-SS, Heinrich Himmler, zum Oberbefehlshaber des Ersatzheeres. Die vordringliche Aufgabe Himmlers bestand darin, die schweren Verluste an der Invasionsfront in der Normandie und durch den Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte an der Ostfront auszugleichen. Anstelle der bisherigen Infanterie-Divisionen stellte er Volksgrenadier-Divisionen auf. Truppenrechtlich und disziplinarisch unterstanden sie der SS.<\/p>\n<p>Mit der Bezeichnung \u201eVolks\u201c sollte die Verbundenheit der Wehrmacht mit dem deutschen Volk herausgestellt werden. Im \u00dcbrigen gedachte man mit harten disziplinarischen Ma\u00dfnahmen die Zuverl\u00e4ssigkeit der Volksgrenadier-Divisionen zu erreicht. Wichtiger w\u00e4re die milit\u00e4rische Ausbildung gewesen, die blieb jedoch mangelhaft, weshalb die Volksgrenadier-Divisionen schwere Verluste erlitten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst bestanden diese Divisionen aus regul\u00e4ren Einheiten, in den letzten Monaten des Krieges setzen sie sich aber auch aus Volkssturmeinheiten, Alarmverb\u00e4nden, Versprengten und Soldaten aller Waffengattungen zusammen. Auch wurden die Soldaten immer j\u00fcnger. Ab Februar 1945 wurde bereits der Jahrgang 1928 und einen Monat sp\u00e4ter der Jahrgang 1929 zum Wehrdienst einberufen.<\/p>\n<p>Unter dem Kommando von Generalmajor Dr. phil. Erwin Kaschner erreichten die Reste der 326. Volksgrenadier-Division am 9. April die Oder. Der Verband verf\u00fcgte noch \u00fcber vier Tiger-Panzer sowie einige Artillerie- und Flak-Gesch\u00fctze. Am Nordufer der Oder, beidseitig des Dorfes Hattorf, richtete sich die Truppe zur Verteidigung ein.<\/p>\n<p>Auf ihrer rechten Flanke, in Richtung Osterode, schlossen sich die Reste der SS-Panzer-Brigade Westfalen an, links lag die ebenfalls bis auf Restverb\u00e4nden zerschlagene 26. VGD, mit Gefechtsstand in H\u00f6rden.<\/p>\n<p>Auf der anderen Flussseite stie\u00df die Kampgruppe A, der 3rd Armored Division (Spearhead), unter Oberstleuntnant Boles, am Nachmittag des 10. April von Gieboldehausen \u00fcber den Rotenberg vor. Attack target 26 (Angriffsziel 26), wie die US-Army Herzberg nannte, sollte unter Kontrolle gebracht werden. Dazu musste Boles mit seinen Panzern die Oderbr\u00fccke am Auekrug \u00fcberqueren. Kurz bevor die Kampfgruppe den \u00dcbergang erreichte, flog das Bauwerk in die Luft. Die Br\u00fccke war samt der Endauflager zerst\u00f6rt, eine provisorische Reparatur nicht m\u00f6glich. Boles musste eine Kriegsbr\u00fccke bauen lassen, der Br\u00fcckenschlag konnte erst 1:30 Uhr beginnen und w\u00fcrde acht Stunden dauern.<\/p>\n<p>Das gab der 326. VGD, die urspr\u00fcnglich das Nordufer verteidigen sollte, Gelegenheit, sich ohne Feindber\u00fchrung in der Nacht nach H\u00f6rden und Herzberg zur\u00fcckzuziehen. Die Einheiten 26. VGD, die sich auf der linken Flanke anschloss, begann sich bereits kurz vorher aus ihren Stellungen zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Keine vier Kilometer vom Auekrug entfernt liegt P\u00f6hlde. Als sich US-Panzer dem Ort am 10. April auf einen Kilometer gen\u00e4hrt hatten, machte sich ein dort befindlicher deutscher Tigerpanzer auf den Weg nach Herzberg. Es blieb eine kleine Nachhut der 26. VGD, die kurz mit einem Maschinengewehr auf die vorw\u00e4rtsdr\u00e4ngenden US-Truppen schoss, um sich dann zu verdr\u00fccken. Eine im Ort stationierte Nebeltruppe der Wehrmacht blieb und ging widerstandslos in Gefangenschaft.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Gegen 19 Uhr erreichten die ersten amerikanischen Panzer, aus Richtung P\u00f6hlde, dass Herzberger Bahnhofsviertel. Von dort rollten sie, gefolgt von Infanterie, zum Schlossberg und durch die Haupt- und Sieberstra\u00dfe in die Innenstadt. Gegen 22.30 Uhr war Herzberg vollends in die Frontlinie einbezogen.<\/p>\n<div id=\"attachment_6834\" style=\"width: 830px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6834\" class=\"size-full wp-image-6834\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch.jpg\" alt=\"Uniformabhzeichen\" width=\"820\" height=\"749\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch.jpg 820w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch-300x274.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch-768x702.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch-749x684.jpg 749w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch-710x649.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Spearhead_patch-705x644.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 820px) 100vw, 820px\" \/><p id=\"caption-attachment-6834\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">\u00c4rmelabzeichen der 3rd Armored Division (Spearhead).<\/span><\/p><\/div>\n<p>Am Marktplatz wurden die verbliebenen Polizeibeamten von US-Soldaten gefangen genommen und im Gasthaus Zum Rathaus am Markt verh\u00f6rt. Au\u00dferdem gerieten deutsche Soldaten in der Hindenburgstra\u00dfe in Kriegsgefangenschaft. Vorsichtig r\u00fcckten die US-Einheiten weiter vor. Ein am Rathaus stehender amerikanischer Panzer schoss in die Rathaus- und Hindenburgstra\u00dfe. Dann fuhren die Panzer durch die Rathaus- und S\u00e4gem\u00fchlenstra\u00dfe weiter. Ein Panzer, der durch die Hindenburgstra\u00dfe fuhr, traf am Osteingang der Stadt, aus Richtung Papierfabrik\/Siebertal, auf heftigen deutschen Widerstand. Verluste wollten die Amerikaner vermeiden, es galt erst einmal die un\u00fcbersichtliche Lage zu kl\u00e4ren. Teilweise war die Stadt von US-Truppen besetzt. Aber gab es auch noch deutsche Einheiten deren St\u00e4rke nicht bekannt war. Mit Hilfe, der in den n\u00e4chsten Stunden anr\u00fcckenden US-Verst\u00e4rkung, w\u00fcrde es kein Problem sein, Herzberg vollst\u00e4ndige unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Bis zum Morgen wurde der Vormarsch eingestellt.<\/p>\n<p>Am 11. April, kurz vor 11 Uhr konnten das, durch Kampfgruppen der 104th Infantry Division (Timberwolfes), verst\u00e4rkte US-Panzer-Bataillon von Oberstleutnant Boles seinen Vormarsch \u00fcber die Kriegsbr\u00fccke am Auekrug fortsetzen. Abgesehen von einem kurzen Feuergefecht mit einem deutschen 10,5 cm Gesch\u00fctz und einem Volkssturm-Trupp, trafen die Amerikaner auf keinen Widerstand. Sie lie\u00dfen sich auch auf keinen Kampf ein und umgingen die deutschen Verteidiger, die sich daraufhin in Richtung Herzberg zur\u00fcckzogen. Boles erreichte mit 20 Shermans gegen 19 Uhr den Stadtrand und konnte mir dem Fernglas drei deutsche Panzer ausmachen. Der Oberstleutnant forderte Luftunterst\u00fctzung an.<\/p>\n<p>Bei den deutschen Panzern handelte es sich um die letzten drei Tiger der 326. VGD. Es gelang ihnen, wohl \u00fcber die Juesholz- und Hindenburgstra\u00dfe, Richtung Sieber zu entkommen. Hier deckten deutsche Einheiten den R\u00fcckzug.<\/p>\n<h3><strong>Widerstandsnest<\/strong><\/h3>\n<p>Schwere K\u00e4mpfe fanden in Herzberg nicht statt, es gab auch kaum Verluste auf deutscher Seite. Abgesehen von einer Ausnahme, das Haus Hindenburgstra\u00dfe 66 an der Einm\u00fcndung der Juesholzstra\u00dfe, von wo aus die Hauptausfallstra\u00dfe in Richtung Sieber kontrollieren werden konnte. Dort hatte sich eine kleine Gruppe von Wehrmachtssoldaten verschanzt, die erbitterten Widerstand leistete.<\/p>\n<p>Man sollte ber\u00fccksichtigen, das in Kriegsgefangenschaft zu gelangen, am besten in gro\u00dfen Verb\u00e4nden funktioniert. Bei kleinen Kampfgruppen oder ganz allein ist das schon schwieriger und hat nicht selten mit Gl\u00fcck zu tun. Im April 1945 gab es f\u00fcr Deutsche einiges zu beachten. Man sollte m\u00f6glichst unbewaffnet sein, keine SS-Uniform tragen oder einen Fallschirmj\u00e4gerhelm. Wer glaubte, noch kurz vor Kriegsschluss f\u00fcr das Nazi-Reich Heldentaten vollbringen zu m\u00fcssen, dem Feind Verluste zuf\u00fcgte, um sich dann mit leer geschossenem Magazin ergeben zu k\u00f6nnen, war im Irrtum.<\/p>\n<p>Von dem, was sich in der Hindenburgstra\u00dfe 66 abspielte, gibt es keine Augenzeugenberichte. \u00a0Laut Faktenlage l\u00e4sst sich folgendes Geschehen rekonstruieren.<\/p>\n<p>Die Timberw\u00f6lfe hatten Probleme an das Haus heranzukommen. Es gab Verluste, mindestens sechs US-Soldaten sollen gefallen und verwundet worden sein. Kurz vor Kriegsende noch Kameraden zu verlieren, erbitterte die US-Soldaten. Aber erst nachdem sie im gegen\u00fcberliegenden Haus, Hindenburgstra\u00dfe 64, eine Stellung besetzten konnten, gelang es das Feuer auf das deutsche Widerstandsnest wirkungsvoll zu er\u00f6ffnen. Ein Kugelhagel zwang die Wehrmachtssoldaten in die Defensive, Handgranaten flogen und das Haus konnte gest\u00fcrmt werden. F\u00fcr die Deutschen gab es kein Entrinnen, im Keller kam es zum Nahkampf. Sechs Wehrmachtssoldaten, deutsche Soldaten, die ganze Gruppe, wurde niedergemacht. Ihre sterblichen \u00dcberreste befinden sich auf Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte des Herzberger Friedhof. Es sind die einzigen Wehrmachtssoldaten, die in den K\u00e4mpfen um die Stadt gefallen sind. Abgesehen von einem Major, dessen Sterbedatum aber mit 12. April angegeben ist. An diesem Tag war Herzberg bereits in amerikanischer Hand. Gegen Mittag zog das Panzer Bataillon der 3. US-Panzer-Division in Richtung Elbe ab und die Kampfgruppe der 104th Infantry Division (Timberwolfes) wurde von vom 16 Infanterie Regiment der 1st Infantry Division abgel\u00f6st (The Big Red One).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dessen kehrte viele, die mit Sack und Pack in den Wald gezogen waren, wieder in die Stadt zur\u00fcck. F\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung war nun zwar der Krieg, aber noch nicht der Schrecken beendet. In den Tagen nach dem Einmarsch setzten die Pl\u00fcnderungen von Gesch\u00e4ften und Privatwohnungen durch ausl\u00e4ndische Arbeiter ein. In der ersten Zeit unternahm die amerikanische Besatzung nichts dagegen. Die deutschen Polizeibeamten, die wieder auf freiem Fu\u00df waren, konnten nichts ausrichten. Sie durften keine Waffen tragen und auch f\u00fcr sie galt eine verh\u00e4ngte n\u00e4chtliche Ausgangssperre.<\/p>\n<p>Nach Ende der Kampfhandlungen wurde der deutschst\u00e4mmige Captain Backhaus als Stadtkommandant eingesetzt, der sich bem\u00fchte erste Kriegssch\u00e4den zu beseitigen und eine funktionierende Versorgung und Verwaltung in Gang zu bringen. Zu seinen ersten Amtshandlungen geh\u00f6rte es, den Heimtransport der ausl\u00e4ndischen Arbeiterinnen und Arbeiter zu organisieren.<\/p>\n<p>Am Ende des Krieges waren in Herzberg 2.000 Ausl\u00e4nder und Ausl\u00e4nderinnen, meist ehemalige Zwangsarbeiter_innen. Dazu kamen noch etwa 1.000 Evakuierte<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> und vereinzelt schon Fl\u00fcchtlinge, w\u00e4hrend der gro\u00dfe Vertrieben Strom aus den deutschen Ostgebieten erst sp\u00e4ter einsetzte. In Herzberg, dessen Einwohnerzahl im April 1945 bei 6.250 lag, mussten also zus\u00e4tzlich 3.000 Menschen mehr versorgt werden.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Lonau<\/strong><\/h3>\n<p>Nicht in der Stadt Herzberg, sondern bei den beiden kleinen Bergd\u00f6rfern Lonau und Sieber, stellten sich Wehrmacht und Waffen-SS dem US-Vormarsch entgegen.<\/p>\n<p>In Lonau befand sich eine ziemlich starke deutsche Besatzung, bestehend aus Artillerie, Infanterie und Waffen-SS. Im Lonauer Hof lag sehr wahrscheinlich kurzzeitig Generalmajor Kaschner mit seinem Divisionsstab. Er war \u00fcber den Bergr\u00fccken Auf dem Acker mit den \u00dcberresten der 326. VGD zur\u00fcckgegangen. Ein Bataillon Infanterie wurde sogar aus Lonau f\u00fcr die Verteidigung der Bahnlinie am M\u00fchlenberg herausgezogen.<\/p>\n<p>Ab dem 5. April war die Schule mit einem Feldlazarett belegt, in dem auch amerikanische Soldaten versorgt wurden. Gro\u00dfe wei\u00dfe Laken mit dem Roten lagen am Mittelberg aus und machten das Lazarett f\u00fcr alliierte Flieger kenntlich. Das rote Kreuz wurde respektiert. Am 12. April verlegte das Lazarett, lediglich ein paar Schwerverwundete blieben im Schulkeller zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Beim Ann\u00e4hern der amerikanischen Einheiten, musste die Belegschaft des Forstamtes in der Nacht zum 12. April aus gro\u00dfen Papeln und Ahornb\u00e4umen Panzersperren errichten. Eine unsinnige Arbeit. Am Tag schoss amerikanische Artillerie die Sperren mit ein paar gezielten Sch\u00fcssen zusammen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_6836\" style=\"width: 517px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6836\" class=\"size-full wp-image-6836\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/big_red_one_patch.jpg\" alt=\"\" width=\"507\" height=\"707\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/big_red_one_patch.jpg 507w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/big_red_one_patch-215x300.jpg 215w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/big_red_one_patch-491x684.jpg 491w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/big_red_one_patch-506x705.jpg 506w\" sizes=\"auto, (max-width: 507px) 100vw, 507px\" \/><p id=\"caption-attachment-6836\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Die rote 1, das Abzeichen der legend\u00e4ren 1st Infantry Division (The Big Red One). Was seltener zur Sprache kommt, sind die Vergewaltigungen durch Angeh\u00f6rigen dieser Division.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Gegen Mittag schlugen Granaten im Dorf ein. Es handelte sich um 10-cm-Sprengranaten, die zwar einige Zerst\u00f6rung anrichteten aber zumindest keine Br\u00e4nde verursachten. Die Bewohner fl\u00fcchteten sich in die festen Gew\u00f6lbekeller und h\u00f6rten \u00fcber sich die detonierenden Granaten, das klirrten der Fensterscheiben und das Scheppern der Dachziegeln, die Druckwellen von den D\u00e4chern rissen. Am st\u00e4rksten war der Bereich um die Kirche betroffen. Die Kirche selbst blieb zwar unbesch\u00e4digt aber die Schule und die H\u00e4user rings herum bekamen einiges ab. Ein 16-j\u00e4hriger starb durch einen Splitter. Am Nachmittag gegen 15 Uhr steigerte sich der Beschuss, dann erreichte US-Infanterie das Dorf. Es kam zum Gefecht. Ein Teil der amerikanischen Soldaten n\u00e4herte sich \u00fcber den H\u00f6henzug des Langfast, die deutschen Einheiten waren so von zwei Seiten bedr\u00e4ngt. Sechs gefallene deutsche Soldaten wurden sp\u00e4ter im Mitteldorf gefunden. Endlich stie\u00dfen US-Panzer vor, fuhren feuernd auf den Schulhof und schlugen die deutschen Einheiten in die Flucht. Zwei deutsche Tigerpanzer deckten im Kirchtal deren R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>Auch im Mariental gingen die Amerikaner vor, durchsuchten jedes Haus und jeden Winkel. Einige versteckte deutsche Wehrmachtssoldaten wurden gefangen genommen. Es kam aber auch zu Diebst\u00e4hlen und Vergewaltigungen.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/p>\n<p>Ein weiteres vordringen in den Wald unterblieb, denn hier leisteten deutsche Einheiten erheblichen Widerstand. Vom H\u00f6henzug Acker, in der N\u00e4he des Jagdhauses, feuerten 28 deutsche Gesch\u00fctze auf die vordringen Amerikaner. Die Antworteten ihrerseits mit Artilleriesalven vom M\u00fchlenberg, das Duell ging die ganze Nacht \u00fcber Lonau hinweg. Nur mit Gl\u00fcck entging das Dorf der Zerst\u00f6rung. Auch so verloren rund 50 H\u00e4user ihre D\u00e4cher und Fenster.<\/p>\n<p>Am Morgen des 13. April kam es erneut zu harten K\u00e4mpfen am Eingang vom Lonauer Tal. Deutsche Einheiten waren noch in den W\u00e4ldern und brachten alles zum Einsatz, was sie aufbieten konnten. Ein schwerer deutscher Panzer feuerte in das Tal hinunter. Die US-Truppen schossen teilweise den Wald mit Phosphorgranaten in Brand, um die deutschen Soldaten aus ihren Stellungen zu treiben. Wer an den umk\u00e4mpften Stellen Wehrmachtsoldaten versteckte, dessen Haus wurde niedergebrannt. In diesen K\u00e4mpfen, die am Nachmittag endeten, fielen 15 amerikanische und sieben deutsche Soldaten.<\/p>\n<p>Aufgrund des Widerstandes galt Lonau den Amerikaner als Nazi-Dorf. Erneut wurden alle H\u00e4user mehrfach durchsucht deren Bewohner unter Hausarrest standen. An den Wiesenh\u00e4ngen standen Wachtposten, die feuerten, wenn sich jemand auf dem Hof sehen lie\u00df. Von ihrer Verpflegung, welche die Amerikaner in H\u00fclle und F\u00fclle hatten, gaben sie an die Lonauer Bev\u00f6lkerung nichts ab, auch wenn Frauen und Kinder darum bettelten. Eher wurden Lebensmittel vernichtet als abgegeben. Es brauchte einige Zeit, bis sich diese Verh\u00e4ltnisse normalisierten.<\/p>\n<div id=\"attachment_6877\" style=\"width: 1698px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6877\" class=\"size-full wp-image-6877\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1688\" height=\"2560\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-scaled.jpg 1688w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-198x300.jpg 198w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-1319x2000.jpg 1319w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-768x1165.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-1013x1536.jpg 1013w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-1350x2048.jpg 1350w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-989x1500.jpg 989w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-451x684.jpg 451w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-468x710.jpg 468w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-465x705.jpg 465w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Waffen_SS_1945_prFarbe-844x1280.jpg 844w\" sizes=\"auto, (max-width: 1688px) 100vw, 1688px\" \/><p id=\"caption-attachment-6877\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Ein Unterscharf\u00fchrer (Unteroffizier) der Waffen-SS im Jahr 1945. Bei den K\u00e4mpfen im Harz 1945 spielten Splitterverb\u00e4nde der Waffen-SS oft eine Rolle. Ein Beispiel gaben die Gefechte um Lonau.<\/span><\/p><\/div>\n<h3><strong>Sieber<\/strong><\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die Stra\u00dfen in Lonau im Wald enden, f\u00fchrte durch Sieber die L521. Im April 1945 eine wichtige R\u00fcckzugsstra\u00dfe in den Harz, \u00fcber die sich lange Kolonnen von Fahrzeugen der Wehrmacht, der NSDAP und Soldaten zu Fu\u00df in Richtung Gebirge w\u00e4lzten.<\/p>\n<p>Bislang war das Dorf vom Krieg verschont geblieben. Abgesehen von einem US-Bomber der am 11. Januar 1944 in der N\u00e4he von Sieber abgeschossen und dessen sechs Besatzungsmitglieder auf dem Friedhof beerdigt worden waren.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Dann hatte eine Sanit\u00e4tseinheit vom 2. bis 4. April kurzeitig ein Lazarett im Hotel Krone mit 30 Verwundeten eingerichtet und einer Einheit der Organisation Todt (Bautruppe der Nationalsozialisten) nahm Quartier. Mehr war nicht passiert.<\/p>\n<p>Doch ab dem 9. April \u00fcberschlugen sich die Ereignisse. Nachdem ein Aufkl\u00e4rer eine gro\u00dfe Wehrmachtskolonne ersp\u00e4hte, die im Ort rastete, flogen britische Bomber einen Angriff. Vier Geb\u00e4ude trafen die Bomben, ein Ehepaar aus Hannover fand in den Tr\u00fcmmern den Tod und die Gas-, Wasser- und Stromleitungen waren zerst\u00f6rt, die gesamte Versorgung brach zusammen<\/p>\n<p>Kurz darauf bezog der Kommandeur der 26. Volksgrenadier-Division, Generalmajor Heinz Kokott, Quartier im Ort. Die Aufstellung der Division, die sich zumeist aus Marine- und Luftwaffenpersonal zusammensetzte, war erst im September\/Oktober 1944 auf dem Truppen\u00fcbungsplatz Warthelager bei Posen erfolgt. Bereits im November 1944 wurde die Einheit an der Westfront im Bereich von Luxemburg eingesetzt. Es folgte der Einsatz bei der Ardennenoffensive bei der die 26. VGD erhebliche Verluste erlitt. Ihre Kampfst\u00e4rke sank auf rund 1.780 Mann. Die Sollst\u00e4rke einer Wehrmachts-Division lag bei 10.000 bis 30.000 Soldaten. Stark dezimiert operierte die Division weiterhin im Februar 1945 im Kampfgebiet bei Pr\u00fcm. Mitte April 1945 war eine letzte Auffrischung durch die Aufl\u00f6sung der Infanterie-Division Donau geplant. Einer Einheit die sich vor allem aus jungen Bayern und Ostm\u00e4rkern (\u00d6sterreicher) zusammensetzte und die am 23. M\u00e4rz 1945 im Zuge der 34. Aufstellungswelle entstanden war. Die kaum ausgebildeten Soldaten sollten am 12. April in die 26. Volksgrenadier-Division eingegliedert werden. Weiter verst\u00e4rkt durch einige unterstellte Versprengte Gruppen, hatte Generalmajor Heinz Kokott den Befehl mit der 26. VGD den Vormarsch der US-Armee im Sieber Tal stoppen. Strategisch hatte Sieber f\u00fcr die Verteidigung den Vorteil, dass es in einem eng eingeschnittenen, bewaldeten Tal liegt.<\/p>\n<p>Der Volkssturm unterstand nicht der Befehlsgewalt der Wehrmacht, sondern der NSDAP. Nur in Ausnahmef\u00e4llen, wie in der Endphase des Krieges bei Volksgrenadier-Divisionen, konnte es sich anders verhalten. Auf dem Soldatenfriedhof in Sieber liegt ein Volkssturmmann begraben. Albert Fechner, geb. am 19. Januar 1907 in G\u00f6ttingen, gefallen am 13. April in Sieber, Grab 407.<\/p>\n<div id=\"attachment_6833\" style=\"width: 1286px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6833\" class=\"size-full wp-image-6833\" src=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_.jpg\" alt=\"Armbinde des deutschen Volksstrums\" width=\"1276\" height=\"305\" srcset=\"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_.jpg 1276w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_-300x72.jpg 300w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_-768x184.jpg 768w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_-845x202.jpg 845w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_-710x170.jpg 710w, https:\/\/kunst-und-kampf.de\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/Volksarmb.web_-705x169.jpg 705w\" sizes=\"auto, (max-width: 1276px) 100vw, 1276px\" \/><p id=\"caption-attachment-6833\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"color: #ff9900;\">Die Armbinde war oft das einzige, das einen Volkssturmmann auswies. Zeitgen\u00f6ssisches Original aus dem Jahr 1945.<\/span><\/p><\/div>\n<p>Das es zum Kampf kommen w\u00fcrde, versetzte die Bev\u00f6lkerung in Angst und Schrecken. Etliche Zivilisten vergruben Lebensmittel und Vorr\u00e4te, bevor sie in den W\u00e4ldern der Umgebung Schutz suchten. Denn kaum war die Soldaten der ehemalige Infanterie-Division Donau am 12. April in die 26. VGD eingegliedert, da begann am Nachmittag der Artilleriebeschuss und ein Tieffliegerangriff mit Bordwaffen auf das Hotel Krone. Deutsche Soldaten und Einwohner, die nicht in die W\u00e4lder geflohen waren, suchten in Hauskellern Schutz. Die meisten Granaten schlugen au\u00dferhalb auf einer Wiese ein.<\/p>\n<p>Aber das war nur die Overt\u00fcre. Am 13. April 1945 griff das 16 Infantry Regiment der 1st Infantry Division nach gezielter Artillerievorbereitung die 26. Volksgrenadier-Division bei Sieber frontal an. Beschreibungen des Kampfes sind bislang nicht bekannt. Es scheint, dass gut liegende Artilleriesalven die 26. VGD noch in ihrer Bereitstellung erfassten und sie dann, nach kurzem heftigem Kampf, geschlagen worden ist. Mindestens ein K\u00f6nigstiger, der schwerste in Serie gebaute deutsche Panzer, wurde abgeschossen. Die Reste der deutschen Truppen zogen sich in Richtung St. Andreasberg zur\u00fcck, wo der n\u00e4chste blutige Akt des Krieges geschrieben wurde.<\/p>\n<p>Im Verlauf des 13. April besetzen die Amerikaner Sieber, ohne auf weiteren Widerstand zu sto\u00dfen. Sie suchen nach Versprengten und versteckten deutsche Soldaten und nahmen sie gefangen. Am Nachmittag r\u00fcckten die amerikanischen Panzer in Richtung Knollen ab, um durch das Luttertal nach Bad Lauterberg zu gelangen. Sie eilten ihren Kameraden zu Hilfe und wollten die deutschen Fallschirmj\u00e4ger aufrollen, die dort immer noch f\u00fcr F\u00fchrer und Reich k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>Als die in die W\u00e4lder gefl\u00fcchteten Einwohner nach Sieber zur\u00fcckkehren, fanden sie ihre H\u00e4user aufgebrochen vor. Schr\u00e4nke und Schubladen waren durchw\u00fchlt, die Amerikaner hatten nach Fotoapparaten, Radios, Ferngl\u00e4sern und Alkohol gesucht. Auch andere Wertsachen fanden neue Besitzer. Alles keine Verbrechen \u2013 schlimm war nur die Vergewaltigung einer evakuierten Frau.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>43 Tote fanden auf der Kriegsgr\u00e4berst\u00e4tte Sieber ihre letzte Ruhe. 38 Soldaten und f\u00fcnf Zivilisten. Es finden sich Dienstgrade vom Oberstleutnant bis zum Grenadier und nahezu alle Truppengattungen sowie Waffen-SS. Eine typische Mischung f\u00fcr die letzten Kriegsmonate, ebenso wie es die vielen sehr jungen Gefallenen der Volksgrenadier-Division. Von ihnen geh\u00f6rten 13 zu den Jahrg\u00e4ngen 1926\/27, waren also zum Zeitpunkt ihres Todes 17 oder 18 Jahre alt. Der J\u00fcngste, Grenadier Otto M\u00fcller, geboren am 31. Mai 1928 in Arnstadt (Th\u00fcringen), verlor sein Leben im Alter von 16 Jahren.<\/p>\n<p>Mit dem Gefecht bei Sieber endeten die K\u00e4mpfe um Herzberg und seiner heutigen Stadtteile, die drei Tage gedauert hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p><strong>Bornemann, Manfred: <\/strong>Schicksalstage im Harz. Das Geschehen im April 1945, Clausthal-Zellerfeld, 1980<sup>4<\/sup>.<\/p>\n<p><strong>Bornemann, Manfred: <\/strong>Die letzten Tage der Festung Harz. Das Geschehen im April 1945, Clausthal-Zellerfeld, 1980<sup>2<\/sup>.<\/p>\n<p><strong>Hierl, Konstantin:<\/strong> Der Arbeitsdienst, die Erziehungsschule zum deutschen Sozialismus, in: ders., Ausgew\u00e4hlte Schriften und Reden. Bd. 2. M\u00fcnchen 1943. S. 96.<\/p>\n<p><strong>Kreisausschuss des Kreises Osterode am Harz (Hg):<\/strong> Not im Kreis Osterode, Osterode am Harz, April 1930.<\/p>\n<p><strong>Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945 \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz:<\/strong> Geiger-Verlag, 2009.<\/p>\n<p><strong>Saft, Ulrich: <\/strong>Krieg in der Heimat \u2026 bis zum bitteren Ende im Harz, Walsrode, 1994.<\/p>\n<p><strong>Zeitungsartikel<\/strong><\/p>\n<p>Der rote Sender. Zeitung der Werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung Lauterbergs, Nr.: 5, Sonnabend den 3. September, 1. Jahrgang (1932).<\/p>\n<p>\u203aDas waren Herzbergs schwerste Tage. Kriegsereignisse 1945 im S\u00fcdharz \u2013 vor 10 Jahren wurde Herzberg besetzt\u2039. In: Kreiszeitung, 12.4.1955. Stadtarchiv Herzberg, Signatur: H 8442<\/p>\n<p>Zietz, Rudolf: \u203aFlugwache auf dem Schlo\u00dfberg in Herzberg. Ihr Dienst endete vor 50 Jahren\u2039. In: Harzkurier, 10.4.1995.<\/p>\n<p>\u203aSprengstoff-F\u00fcllstelle der DAG im Herzberger Pfingstanger\u2039. In: www.derHarz.de,7. September 2021, <a href=\"https:\/\/derharz.de\/sprengstoff-fuellstelle-der-dag-im-herzberger-pfingstanger\/\">https:\/\/derharz.de\/sprengstoff-fuellstelle-der-dag-im-herzberger-pfingstanger\/<\/a> (abgerufen, 14.6.2023)<\/p>\n<p>\u203aBericht \u00fcber die Sitzung des Fleckenkollegien am Montag, 29. M\u00e4rz 1920\u2039. In: Bad Lauterberger Wochenblatt, 30. M\u00e4rz 1920.<\/p>\n<p>\u203aAuf einem Schweinewagen durch Herzberg gef\u00fchrt\u2039. In: Kreis Zeitung, Dienstag, 17. Mai 1949, S.5.<\/p>\n<p>\u203aFlugwache auf dem Schlo\u00dfberg in Herzberg\u2039. In Harzkurier, 10.4.1995<\/p>\n<p>\u203aDie gr\u00f6\u00dfte Fernwasserleitung der Erde\u2039. Hallische Nachrichten: General-Anzeiger f\u00fcr Halle und die Provinz Sachsen vom Donnerstag, 23. November 1933, <a href=\"https:\/\/www.archiv-vegelahn.de\/index.php\/osterode-am-harz\/item\/14573-die-groesste-fernwasserleitung-der-erde\">https:\/\/www.archiv-vegelahn.de\/index.php\/osterode-am-harz\/item\/14573-die-groesste-fernwasserleitung-der-erde<\/a>, (abgerufen am 10.6.2023).<\/p>\n<p>\u203aJedes Jahr im Herbst \u2026 treffen sich ehemalige RAD-Angeh\u00f6rige\u2039. In: Harzkurier, 22.10.1978<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Not im Kreis Osterode, Kreisausschuss Osterode, April 1930, S.7<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bericht \u00fcber die Sitzung des Fleckenkollegien am Montag, 29. M\u00e4rz 1920. In: Bad Lauterberger Wochenblatt, 30. M\u00e4rz 1920.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Auf dem Kriegerdenkmal am kleinen Juessee in Herzberg sind ein Ernst Peix, gefallen am 31.7.1917 und ein Heinrich Peix, gefallen am 20.1918 aufgelistet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Der rote Sender, Nr.: 5, Sonnabend den 3. September, 1. Jahrgang (1932).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Zit. in.: Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945 \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, Bericht zu der Anklage gegen den Kaufmann Wilhelm H. in Herzberg Harz, S. 27.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Ebenda, S.28.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> \u203aBericht zu der Anklage gegen den Kaufmann Wilhelm H. in Herzberg\/Harz\u2039, Zit. in: Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945 \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, S. 27.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Herzberger Kreis-Zeitung, Samstag, den 9. Juni 1934.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Der B\u00fcrgermeister als Ortspolizeibeh\u00f6rde, Tgb.Nr.P. 1222, Herzberg (Harz), den 11. Juni 1934.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u203aAuf einem Schweinewagen durch Herzberg gef\u00fchrt\u2039. In: Kreis Zeitung, Dienstag, 17. Mai 1949, S.5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Hierl, Konstantin: Der Arbeitsdienst, die Erziehungsschule zum deutschen Sozialismus, in: ders., Ausgew\u00e4hlte Schriften und Reden. Bd. 2. M\u00fcnchen 1943. S. 96.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> \u203aDie gr\u00f6\u00dfte Fernwasserleitung der Erde\u2039. Hallische Nachrichten : General-Anzeiger f\u00fcr Halle und die Provinz Sachsen vom Donnerstag, 23. November 1933, <a href=\"https:\/\/www.archiv-vegelahn.de\/index.php\/osterode-am-harz\/item\/14573-die-groesste-fernwasserleitung-der-erde\">https:\/\/www.archiv-vegelahn.de\/index.php\/osterode-am-harz\/item\/14573-die-groesste-fernwasserleitung-der-erde<\/a>, (abgerufen am 10.6.2023).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945 \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, S.51<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> \u203aFlugwache auf dem Schlo\u00dfberg in Herzberg\u2039. In Harzkurier, 10.4.1995<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Lehmann, Werner: \u203aDas Kriegsende 1945\u2039. In Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945 \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, S.133 f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> \u203aDas waren Herzbergs schwerste Tage. Kriegsereignisse 1945 im S\u00fcdharz \u2013 vor 10 Jahren wurde Herzberg besetzt\u2039. In: Kreiszeitung, 12.4.1955.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> F\u00fcllgrabe, Ernst \u203aLonau am 12, und 13. April 1945\u2039. In: Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945. \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, Horb am Neckar, 2009, S. 140.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Die Toten wurden 1946 auf den US-amerikanischen Soldatenfriedhof in den Ardennen (Ardennes American Cemetery) s\u00fcdlich von L\u00fcttich umgebettet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Hermann, Otto \u203aEinmarsch der US-Truppen und Kriegsende\u2039. In: Matwijow, Klaus: 1933 \u2013 1945. \u201eSpurensuche\u201c in Herzberg am Harz, Horb am Neckar, 2009, S. 124.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nordwestlich von Bad Lauterberg liegt Herzberg. Nur etwa 10 Kilometer voneinander entfernt, sind beide St\u00e4dte recht unterschiedlich. Herzberg z\u00e4hlte im Jahr 1930 offiziell 4.625 Einwohner und damit fast 2.000 weniger als Bad Lauterberg[1]. Zudem war Herzberg nie ein Kurort, sondern tr\u00e4gt den Charakter einer Industrie- und Verwaltungsstadt. Letzteres h\u00e4ngt mit dem Welfenschloss zusammen. In der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":6876,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16,14],"tags":[327,93,328,332,256,74,338,330,329,333,334,326],"class_list":["post-6784","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-hauptartikel","tag-anti-kolonial","tag-antifa","tag-antifaschistischer-arbeitskreis-bad-lauterberg","tag-araberaufstand","tag-bad-lauterberg","tag-bernd-langer","tag-englisch","tag-hermann-von-wissmann","tag-postkolonial","tag-schutztruppen","tag-traditionsverband","tag-wissmann-denkmal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6784"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6911,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6784\/revisions\/6911"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kunst-und-kampf.de\/WordPress_02\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}