Bernd Langer wurde 1960 in Bad Lauterberg im Harz geboren. Seine politischen Anfänge reichen in die Jugendzentrumsbewegung der späten 1970er Jahre zurück und stehen in engem Zusammenhang mit der Entstehung der autonomen Antifa-Bewegung. 1978 gehörte er zu den Gründern des Antifaschistischen Arbeitskreises Bad Lauterberg, der bis 1985 bestand.

In diese Zeit fällt auch seine frühe Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus. In Bad Lauterberg befindet sich ein Denkmal für den Afrikaforscher Hermann von Wißmann, Organisator der Kaiserlichen Schutztruppe für Ostafrika und ehemaliger Gouverneur von Deutsch-Ostafrika. Dieses Denkmal – ein anderes in Hamburg war dort in den 1960er Jahren vom Sockel gestürzt worden – bildete den Anlass für ein jährlich stattfindendes Treffen des Traditionsverbandes ehemaliger Schutz- und Überseetruppen. Gegen diese Veranstaltung organisierte der Arbeitskreis im Oktober 1982 eine Demonstration.

Langer erlernte den Beruf des Schriftsetzers. Eine Bewerbung bei der Bundeswehr zog er zurück und verweigerte den Kriegsdienst mit der Waffe. Nach der damals üblichen Gewissensprüfung leistete er seinen Zivildienst im Krankentransport in Göttingen.

1980er

Zunächst im Westharz, im westlichen Eichsfeld und in Göttingen aktiv, war Langer in den 1980er Jahren ein Organisator der autonomen Antifa-Bewegung. Seit dem ersten Treffen 1981 beteiligte er sich an der norddeutschen und später auch bundesweiten Antifa-Koordination.

1983 initiierte Langer sowohl die erste autonome Antifa-Gruppe in Göttingen als auch die kulturpolitische Initiative Kunst und Kampf (KuK). In diesem Zusammenhang propagierte Langer einen antifaschistischen Kunstbegriff, in dessen Rahmen überwiegend Plakate, aber auch Ölgemälde sowie Agitprop-Aktionen entstanden. Unter Agitprop-Aktionen verstand man eine Form politischen Straßentheaters. Staatsschutzorgane verfolgten und kriminalisierten viele KuK-Plakate und Aktionen. Langer entwarf in den 1980er Jahren das Logo der Antifaschistischen Aktion mit den roten und schwarzen Fahnen.[1]

Ab 1987 setzte er sich verstärkt für eine neue Form antifaschistischer Bündnispolitik ein. Ziel war die Zusammenarbeit autonomer Gruppen mit etablierten Organisationen wie Gewerkschaften  oder Die Grünen. Charakteristisch war dabei, dass Autonome als Schwarzer Block bei diesen Demonstrationen auftraten bzw. sie anführten. Der Einsatz des Schwarzen Blocks als taktisches politisches Mittel erhielt in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung. Am 7. Mai 1988 fand im niedersächsischen Mackenrode bei Göttingen die erste dieser Antifa-Bündnisdemonstrationen statt.

Während sich diese politische Linie herausbildete, zerfielen zugleich die bestehenden bundesweiten Antifa-Koordinationen. Ab November 1987 führten staatliche Repression, politische Stagnation und zunehmende interne Widersprüche zur Auflösung der Strukturen. Als letzte löste sich im Spätsommer 1989 die norddeutsche Koordination auf.

[1] Verfassungsschutzbericht 2020, Seite 133.

1990er

1990 gehörte Langer zu den Gründungsmitgliedern der Autonomen Antifa (M) in Göttingen. Diese Gruppe spielte eine zentrale Rolle beim Aufbau der Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO), die 1992 entstand.

Die erfolgreiche politische Strategie der Autonomen Antifa (M) war den Staatsschutzorganen ein Dorn im Auge. Es folgte die Kriminalisierung der Gruppe, die im Juli mit 36 Hausdurchsuchungen im gesamten Bundesgebiet einen Höhepunkt fanden.

1995 gehörte Langer zu den 17 Angeklagten im Verfahren gegen die Gruppe wegen Bildung beziehungsweise Werbung für eine kriminelle oder terroristische Vereinigung (§129 bzw. §129a StGB). Zu diesem Zeitpunkt war es das größte Strafverfahren gegen die linke Szene in der Bundesrepublik. Die Ermittlungen stützten sich unter anderem auf ein Plakat der Initiative Kunst und Kampf. 1996 wurde das Verfahren nach einem Vergleich mit der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Um die bis dahin gemachten politischen und kulturellen Erfahrungen zu dokumentieren und zu reflektieren, veröffentlichte Langer 1997 sein erstes Buch „Kunst als Widerstand“. Ein Jahr später erschien mit „Art as Resitance“ eine englische Übersetzung.

Die 200er Jahre

2001 löste sich die AA/BO auf, drei Jahre später folgte die Autonome Antifa (M).

Seit 2001 lebt Langer in Berlin und setzte sich verstärkt mit der antifaschistischen Bewegung auseinander. 2004 erschien der autobiographische Roman „Operation 1653 – Stay rude, stay rebel“.

Außerdem beschäftigte er sich intensiv mit der Novemberrevolution von 1918 und den revolutionären Kämpfen der frühen Weimarer Republik. Aus dieser Arbeit gingen zahlreiche Vorträge, Stadtführungen und Exkursionen hervor. Ein Ergebnis dieser Zeit war die Veröffentlichung des Buches „Revolution und bewaffnete Aufstände in Deutschland 1918–1923“ im Jahr 2009.

2011 organisierte Langer die Vortragsreihe „Es gilt die Tat – 90. Jahrestag des Mitteldeutschen Aufstands“. Ein Jahr später folgte eine umfangreiche Vortragsreise zum 80. Jahrestag der Antifaschistischen Aktion. Dazu erschien eine Broschüre, die gegen Spende verbreitet wurde. Aufgrund seiner intensiven Reisetätigkeit bezeichnete ein Zeitungsartikel Langer 2012 als „linksradikalen Wanderprediger“.

Anfang 2013 war die CD „Haben wir alles richtig gemacht?“ fertig. Ein Zeitzeugengespräch über den Widerstand im Konzentrationslager Buchenwald. Auch hierzu entstand eine begleitende Vortragsreihe.

Im selben Jahr rückten der Machtantritt Hitlers, der 80. Jahrestag des Reichstagsbrandes, der Tag von Potsdam, sowie die revolutionären Aufstände in Thüringen 1919/20 in den Mittelpunkt mehrerer Veranstaltungen.

2014 markierte schließlich einen wichtigen Schritt in Langers publizistischen Arbeit. Die mehrfach aufgelegte Broschüre „80 Jahre Antifaschistische Aktion“ bildete die Grundlage für das Buch „Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung“. Die Erstauflage erschien im Oktober 2014 und wurde bereits im Juni 2015 in einer erweiterten und aktualisierten zweiten Auflage neu veröffentlicht.

Ebenfalls konnte 2015 „Kunst als Widerstand“, von kanadischen Aktivist_innen übersetzt, unter dem Titel „Art as Resistance – The American Issue“ erscheinen.

Neben historischen Arbeiten brachte sich Langer aber auch immer in den aktuellen antifaschistischen Kampf ein. In einem Interview für das Neue Deutschland am 1. November 2014, mit dem Titel „Wir hatten das militante Antifa Monopol“, bezeichnete er einen, 1994 begangenen, Anschlag auf die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit als „eine Superaktion“.

Daraufhin initiierte der ehemalige Generalbundesanwalt Alexander von Stahl ein Strafverfahren. Im September 2015 verurteilte ein Berliner Gericht Langer – 21 Jahre nach der Tat – wegen Billigung einer Straftat und Störung des öffentlichen Friedens zu einer Geldstrafe von 500 Euro. Gegen das Urteil legte er Berufung ein und wurde im Dezember 2017 vom Berliner Kammergericht letztinstanzlich freigesprochen.

Kunst und politische Praxis

Für Bernd Langer war Kunst nie bloß ein ergänzendes Feld neben politischer Arbeit. Vielmehr verstand er sie als Form politischer Praxis. Plakate, Bilder, Ausstellungen und Aktionen dienten nicht nur der Darstellung politischer Inhalte, sondern sollten selbst Teil gesellschaftlicher Intervention sein.

2007 trat er bei der Initiative „48 Stunden Neukölln“ mit einer Ausstellung in Erscheinung. Zwei Jahre später folgten weitere Präsentationen in der Ladengalerie der Jungen Welt sowie im Berliner Kunsthaus Tacheles, einem der wichtigsten alternativen Kunstorte der Stadt.

Begleitend zur Ausstellung im Tacheles erschien der Katalog „Die Kunst geht weiter – der Blick zurück nach vorn“. Auf 31 Seiten dokumentiert er zentrale Gemälde und Plakate der Initiative Kunst und Kampf (KuK) und ordnet sie mit kurzen Kommentaren ein. In den letzten Jahren des Tacheles engagierte sich Langer intensiv im Kunsthaus und erhielt ein Zertifikat als Tacheles-Künstler.

Des Weiteren nahm Bernd Langer 2012 als akkreditierter Künstler an der 7. Berlin Biennale teil.

Im August 2016 vollendete er mit „Kunst und Kampf“ eine autobiographisch geprägte Gesamtdarstellung von vier Jahrzehnten antifaschistischen Engagements und dessen künstlerischem Ausdruck in der Bundesrepublik. Das Buch verbindet politische Rückschau, persönliche Erfahrungen und künstlerische Dokumentation. Zur Jahreswende 2016/2017 stellte er das Projekt auf einer Vortrags- und Veranstaltungstour vor. Im Februar 2017 präsentierte er eine KuK-Ausstellung im Forum Kunst in Plauen.

Im selben Jahr führte Langer außerdem eine umfangreichen Veranstaltungskampagne zum Thema „500 Jahre Reformation und Bauernkrieg“ durch. Diese verstand sich als Gegenkampagne zum offiziellen Reformationsjubiläum und stand unter der Überschrift „Am Anfang war der Widerstand“.

Auch international fand Langers Arbeit Resonanz. Im Sommer 2018 erschien die zweite Auflage von „Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung“ in französischer Übersetzung unter dem Titel „Antifa – Histoire du mouvement antifaschiste allemand“. Die Ausgabe umfasst 288 Seiten, enthält ein zusätzliches Kapitel zu „Kunst und Kampf“ mit 28 Farbseiten sowie ein ausführliches Glossar zu historischen Persönlichkeiten und Organisationen.

Zwischen dem 25. April und dem 5. Mai 2019 folgte eine Vortragsreise durch neun Städte Frankreichs, bei der die Veranstaltungen jeweils simultan übersetzt wurden.

Hundert Jahre Jahre Novemberrevolution

Ein besonderer Schwerpunkt Langers historischen Arbeit entwickelte sich rund um den hundertsten Jahrestag der Novemberrevolution im Deutschen Reich. Das Jahr 2018 wurde zum Ausgangspunkt einer umfassenden Veranstaltungs- und Publikationskampagne.

Parallel zu zahlreichen Vorträgen erschien im Oktober 2018 das Buch „Die Flamme der Revolution – Deutschland 1918/19“.

Den Höhepunkt dieser Kampagne bildete eine Demonstration am Jahrestag des Matrosenaufstandes in Kiel. Begleitend dazu entstand die vollständig mit Comic-Illustrationen gestaltete Broschüre „Der Matrosenaufstand 1918 in Kiel“.

Die Demonstration fand nach Einbruch der Dunkelheit statt. Bei Zwischenkundgebungen an historischen Orten wurden die Comiczeichnungen aus der Broschüre mit einem Beamer auf die Leinwand eines Lastwagens projiziert. Auf diese Weise verbanden sich historische Darstellung und politische Aktion unmittelbar. Die Veranstaltung wurde zudem in einer Video-Dokumentation festgehalten.

Ein ähnliches Konzept kam am Abend des 5. Januar 2019 in Berlin zur Anwendung. Mit einer Demonstration erinnerte man dort an den Jahrestag des sogenannten Januaraufstandes. Während eines „Abendspaziergangs“ vom Pariser Platz zum Rosa-Luxemburg-Platz beziehungsweise zum Karl-Liebknecht-Haus wurde die reich illustrierte Broschüre „Alle Macht den Räten“ verteilt und bei Zwischenkundgebungen die Bilder auf einem großen Bildschirm eingeblendet. Auch diese Demonstration wurde filmisch dokumentiert.

Im selben Jahr stand außerdem der 90. Jahrestag des Berliner Blutmai von 1929 im Mittelpunkt mehrerer Vorträge und einer Ausstellung.

Internationale Arbeit und neue Projekte

Mit Beginn der 2020er Jahre weitete sich die internationale Zusammenarbeit weiter aus. Im Februar 2020 folgte eine Einladung des antifaschistischen Netzwerks Sare Antifaxista zu einer Veranstaltungsreihe im Baskenland. Die Vorträge wurden simultan übersetzt. In diesem Zusammenhang entstand die Idee, das Buch „Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung“ ins Spanische zu übertragen.

Ein für das Jahr 2020 geplantes Buch zum hundertsten Jahrestag der Verhinderung des Kapp-Putsches konnte aufgrund der Corona-Krise nicht fertiggestellt werden. Aus dem vorbereiteten Material entstanden jedoch zwei Broschüren über die Ereignisse in Cottbus und Leipzig. Ergänzend begann die Arbeit an einer Filmdokumentation über den Kapp-Putsch in Cottbus mit dem Titel „Mit der Waffe in der Hand“, die am 17. Juni 2022 dort ihre Uraufführung erlebte.

In den Jahren 2021 und 2022 rückte erneut das Thema des deutschen Kolonialismus in den Mittelpunkt, insbesondere die Auseinandersetzung mit der Person Hermann von Wißmann. Dazu erschienen mehrere Artikel, begleitet von verschiedenen Veranstaltungen.

Das Jahr 2023 stand im Zeichen des hundertsten Jahrestages der Märzrevolte in Mitteldeutschland. Gemeinsam mit dem Bildungskollektiv in Halle (Saale) gab es eine umfangreiche Veranstaltungskampagne. Anfang 2024 erschien dazu das Buch „Im Glauben an die Weltrevolution“. Darüber hinaus wurde eine historische Fahrradtour von Merseburg nach Leuna konzipiert und mehrfach durchgeführt.

Parallel entwickelte sich Langers zentrales Werk zur Geschichte der Antifa weiter. Als 2023 die vierte Auflage von „Antifaschistische Aktion – Geschichte einer linksradikalen Bewegung“ erscheinen sollte, waren Umfang und Darstellung so stark erweitert und vertieft worden, dass zunächst an eine Zweiteilung gedacht war, die schließlich zu einer Trilogie ausgeweitet wurde.

Der zweite Band mit dem Titel „Antifaschistische Aktion – Von der Geschichte in die Gegenwart“ gelangte im Januar 2024 in den Buchhandel. Teile daraus konnten bereits in die spanische Übersetzung einfließen, die im Juli 2024 von Sare Antifaxista unter dem Titel „Historia de un Movimiento Alemán de izquierda radical“ veröffentlicht wurde. Die spanische Ausgabe umfasst im Großformat 582 Seiten.

Gleichzeitig entstand eine intensive Auseinandersetzung mit der regionalen antifaschistischen Geschichte im Altkreis Osterode am Harz. In den Jahren 2023 und 2024 wurden mehrere historische Rundgänge durch Bad Lauterberg, Herzberg, Hattorf, Osterode und Bad Grund erarbeitet. Die entsprechenden Beiträge erschienen parallel in der Fachzeitschrift „Unser Harz“.

Auch in den praktischen Antifaschismus brachte sich Langer weiterhin ein, etwa bei der Demonstration gegen den III. Weg am 10. August 2024 in Hilchenbach bei Siegen.

Im Herbst 2024 reiste Langer nach Argentinien. In Buenos Aires fand vom 18. Oktober bis zum 10. November 2024 im Kulturzentrum La Cultura del Barrio eine große KuK-Ausstellung unter dem Titel „Arte y lucha – para un antifascismo global“ („Kunst und Kampf – für einen globalen Antifaschismus“) statt. Begleitend erschien ein Ausstellungskatalog; zusätzliche Texte wurden online in spanischer Sprache veröffentlicht.

Abschluss einer langjährigen Arbeit

Nach 14 Jahren Auseinandersetzung fand die Trilogie zur Geschichte der Antifaschistischen Aktion im März 2026 ihren vorläufigen Abschluss. Mit dem dritten Band „Antifaschistische Aktion – In Zeiten von Corona und Rechtspopulismus“ erschien damit die bislang umfangreichste Darstellung zur Geschichte der Antifa in der Bundesrepublik.

Im Verlauf dieser Arbeit entwickelte sich zudem die Idee, auch der Farbgestaltung der drei Bände eine symbolische Bedeutung zu geben. Im Bücherregal bilden sie gemeinsam die Farbkombination Rot, Gelb und Purpur – die Farben der Spanischen Republik.